Architektur

Auf den nach außen gerichteten Glasfinnen des Bürogebäudes am Grand Canal Square in Dublin erzeugt das Farbeffektglas Narima® schillernde Farbenspiele. (Foto: P. Tierney)
Thilo Horvatitsch

Design in Glas öffnet neue Horizonte

Wie kaum ein anderes Material steht Glas für die moderne Architektur weltweit. Kombiniert mit neuen technologischen Lösungen, bietet der wandelbare Werkstoff eine Fülle an Möglichkeiten – von der Beleuchtung bis zum Bau mit Solartechnik.

Glas öffnet den Raum, schafft Durchsicht und Weite. Aus solchen Gründen schwebte den Architekten von Billings Design Associates (BDA) am Grand Canal Square No. 1, im südlichen Hafenviertel von Irlands Hauptstadt Dublin, ein hochtransparentes Gebäude mit einzigartiger Außenhaut vor. Das Bürohaus sollte einen lichtdurchlässigen Kontrast zu den massiv gebauten Nachbargebäuden bilden. Die Fassade erhielt dafür eine Verglasung mit dem entspiegelten Glas Amiran®.

Den unverwechselbaren Charakter aber erzeugen die vertikal verlaufenden, nach außen gerichteten Glasfinnen. Denn je nach Standpunkt, Hintergrund und Lichteinfall zeigen sich darauf unterschiedliche Farbenspiele. Der Grund: Auf dem dafür verwendeten Farbeffektglas Narima® sind per Tauchverfahren mehrere optische Interferenzschichten aufgebracht. BDA-Designberater Neil Murphy zur Wahl dieser Lösung: „Wir waren beeindruckt von der vielfältigen Ausdruckskraft dieses Glases als ästhetisches Element am Gebäude der Norddeutschen Landesbank in Hannover.” Gründliche unabhängige Tests bestätigten zudem die langfristige Haltbarkeit von Narima® für die neue Anwendung.
Das Grüne Gewölbe in Dresden zeigt 3.000 Kunstwerke – viele davon gut sichtbar und geschützt hinter dem entspiegelten Glas Amiran®. (Foto: R. Weisflog)
Das Beispiel legt nahe: Wird Glas kombiniert mit hochmodernen Verarbeitungstechniken oder integriert in Systemlösungen, bietet es Architekten außergewöhnliche Design-Möglichkeiten. Um diese zu entwickeln, nutzt der Technologiekonzern SCHOTT ein gutes Jahrhundert glastechnisches Know-how sowie neueste Technologien. „SCHOTT bietet Architekten und Bauherren für jede gestalterische Herausforderung eine faszinierende Auswahl anspruchsvoller Glasinnovationen”, so Patrick Coppée. International erfahren im Projektgeschäft, integriert er die Expertise der Geschäftseinheiten in Strategien zur globalen Geschäftsentwicklung.
Klare Sicht auf den Hafenverkehr bietet das mit Amiran® ausge stattete Marine Operations Centre im schottischen Aberdeen.
Mit Amiran® um die Welt

Wie Technologie den Einsatz von Glas in der Architektur befördert, zeigt sich seit vielen Jahren am „Dauerbrenner” Amiran®. Das Flachglas ist im sichtbaren Wellenlängenbereich fast vollständig entspiegelt. Es kann außerdem zu beschichtetem oder gehärtetem Sicherheitsglas oder Wärmeschutzglas verarbeitet werden.

Im Hafen der schottischen Stadt Aberdeen wurde das oberste Stockwerk des kürzlich in Betrieb genommenen Marine Operations Centre zur Steuerung des Hafenverkehrs mit Amiran® verglast. Das entspiegelte Glas bietet eine klare Sicht auf die Schiffsbewegungen in dem belebten Hafen. Das preisgekrönte Gebäude-Design orientiert sich an der Tradition schottischer Leuchttürme.

In Athen wurde Anfang 2006 die Lobby des First-Class-Hotels Royal Olympic am Fuße der Akropolis mit Amiran® verglast. Seither lässt sich von dort der Blick ohne störende Reflexionen hinauf zum Wahrzeichen der griechischen Hauptstadt richten. Und im Nachbarland Türkei macht Amiran® Station bei Nurus in Istanbul. Der international renommierte Büromöbelhersteller hat mit insgesamt 80 Quadratmetern entspiegeltem Glas die Fassaden seiner Ausstellungsräume verkleidet. Amiran® begleitete auch eine bemerkenswerte Wiedergeburt in Deutschland: Im September 2006 öffnete das historische Grüne Gewölbe im Schloss zu Dresden nach langer Pause wieder seine Pforten. Eine Auswahl der etwa 3.000 Kunstwerke wird in Vitrinen aus entspiegeltem Glas präsentiert. Die prächtige Schatzkammer mit Weltruf wurde im 18. Jahrhundert von König August dem Starken aufgebaut und 1945 durch Kriegsbomben zerstört.
Links: In Athens Nobelhotel Royal Olympic lässt sich der Blick ohne störende Reflexionen nach innen und außen richten – dank Amiran®. Rechts: Der internationale Büromöbelhersteller Nurus verkleidete mit 80 Quadratmetern Amiran® seine Ausstellungsräume in Istanbul. (Foto links: E. Georgouleas)
Pyran® mit Stern

Beim Einsatz des Brandschutzglases Pyran® im spektakulären Mercedes-Benz-Museum, das im Mai 2006 in Stuttgart, Deutschland, öffnete, ging es um hochstehende technische und Design-Ansprüche. Maßstäbe setzt schon die Architektur des alusilbernen Bauwerks, das sich in 48 Meter Höhe schraubt: Die niederländischen Architekten um Ben van Berkel gaben dem Inneren die kleeblattähnliche Form einer Doppelhelix, also von zwei gegenläufigen Spiralen. Darin wird Mercedes als Marke und Mythos lebendig. In dieser Sammlung von Meilensteinen der Automobilgeschichte hat Sicherheit einen wichtigen Platz, auch angesichts der erwarteten 700.000 Besucher pro Jahr. Für die anspruchsvolle Verglasung im Museumsinneren, teilweise ausgeführt als Absturzsicherung, wählte man darum Pyran® S. Das Brandschutzglas behält selbst unter größten thermischen Belastungen seine Transparenz. Auch das Design forderte heraus: Die 50 Meter lange Pyran® Verglasung zwischen Mythengang und Eventbereich des Museums wurde als rahmenlose Konstruktion ohne störende Profile ausgeführt und zusätzlich aufwändig mit einem Siebdruck veredelt.
Links unten:50 Meter Pyran® Brandschutzverglasung im Mercedes-Benz-Museum, Stuttgart. Links oben: Das 40 Meter hohe Atrium im deutschen Nobelhotel »Intercontinental«, Düsseldorf, ist mit Pyran® Brandschutzglas ausgestattet. Rechts: Über 1.100 faseroptische Lichtpunkte tauchen Reliefs und Skulpturen der Kathedrale in Reims in ein sanftes Licht und heben jedes Detail eindrucksvoll hervor. (Foto links unten: D. Rebmann, Foto rechts: Cegelec)
10.700 »LightPoints« in Weiß, Blau und Rot inszenieren ein faszinierendes Lichterspiel im schweizerischen Einkaufszentrum »La Maladière«.
10.000 schwebende Lichtpunkte

Glas lässt sich auch hervorragend für völlig neue Beleuchtungsanwendungen nutzen. Die Rede ist von »LightPoints«, einem Produkt der deutschen lif GmbH (light, innovation, future) mit Beteiligung von SCHOTT. Die LED-Technologie verblüfft mit Leuchtdioden, die unsichtbar mit Energie versorgt werden. Der Clou: Mit einer dünnen, transparenten Schicht aus Metalloxid wird die Glasscheibe zum Stromleiter. Ein PVB (Polyvinyl-Butyral)- Folienverbund hält das beschichtete Glas samt LEDs und einer zweiten schützenden Scheibe fest zusammen. Dieses Laminat erfüllt die gesetzlichen Anforderungen linienförmig gelagerter und punktgehaltener Verglasungen. So sind »LightPoints« auch in Außen- und Sicherheitsbereichen wie absturzsichernder und Überkopfverglasung zugelassen. Zu den ersten Kunden gehört die »Mall of Emirates« in Dubai, wo »LightPoints« eine Schaufensterfassade in einem der weltweit exklusivsten Shopping-Zentren erhellen. Auch in der Verwaltung des US-Internetportals Yahoo im kalifornischen Burbank leuchten die bunten Lichtpunkte. Im Oktober 2006 eröffnete das Einkaufszentrum »La Maladière« im schweizerischen Neuchâtel mit 10.700 LEDs in Weiß, Blau und Rot, verteilt auf Glasbalustraden und Aufzug. Zu jeder vollen Stunde startet ein pulsierendes Lichterspiel. „Die Choreografie dazu lässt sich per Spezial-Software individuell programmieren”, sagt Rolf A. O. Schneider von lif. »LightPoints« sind bereits mehrfach preisgekrönt, unter anderem mit dem begehrten iF Award in Gold für die Kategorie Material.

Faseroptik krönt Kulturerbe

Jeden Abend bis Mitternacht inszeniert eine Lichtinstallation eines der berühmtesten mittelalterlichen Bauwerke Frankreichs: die Kathedrale Notre-Dame in Reims, über Jahrhunderte hinweg Krönungsstätte und heute Unesco-Weltkulturerbe.

Über 1.100 faseroptische Lichtpunkte tauchen die kunstvoll gestalteten Reliefs und Skulpturen in ein sanftes Licht und heben jedes Detail eindrucksvoll hervor. Um den besten Effekt für die Meisterwerke zu erzielen, wurde vom langjährigen SCHOTT Kunden MC2 eine raffinierte glasfaseroptische Beleuchtungslösung konzipiert sowie spezielle Endoptiken entworfen, einzeln ausgerichtet und mit Filtern bestückt. Wartungsprobleme an der Fassade stellen sich nicht, da die knapp 100 Lichtquellen an gut zugänglichen Orten im Gebäudeinneren untergebracht sind. Die Beleuchtungskomponenten von Thorn Lighting wurden von Cegelec installiert.
Das Dach der New Yorker Metrostation Stillwell Avenue trägt die weltweit größte gebäudeintegrierte Solarstromanlage mit Dünnschichtmodulen. (Foto: P. Heilmann)
Beispielhafte Solararchitektur
in New York


Architektonisch und energietechnisch zukunftsweisend ist das Solardach der oberirdischen Metrostation Stillwell Avenue Station im New Yorker Stadtteil Brooklyn. 2.800 Dünnschicht-Solarmodule bilden hier auf einer Dachfläche von 5.500 Quadratmetern die größte Photovoltaik (PV)-Anlage der Weltmetropole. Ein Beispiel für die kommende Disziplin der Solararchitektur, bei der die Gebäudeintegration solcher Dünnschichtmodule eine besondere Rolle spielen wird. Denn deren sonnenaktive Substanz wird in dünnen Schichten auf Glas abgeschieden. So lässt sich das Modul vielseitig gestalten und laminiert auch als Überkopfkonstruktion einsetzen, um Sicherheitsstandards zu erfüllen.

„Einzigartig ist, dass das PV-Glas im Einsatz als Dachfläche mehr als eine Funktion erfüllt”, äußerte sich Gregory Kiss vom ausführenden New Yorker Architektenbüro Kiss + Cathcart in der Presse. In Stillwell spenden die halbtransparenten PV-Module Schatten und produzieren gleichzeitig 250.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Design wird hier zum Kostentrumpf.