solutions 1/2007 – Interview

Dr. Roland Langfeld, Leiter Forschung und Technologieentwicklung der SCHOTT AG
(Foto: A. Stephan)
„Erste Produktentwicklung weltweit”

solutions: Glaskeramik bringt man oft mit SCHOTT Ceran® Kochflächen in Verbindung. Für welche Einsatzfelder bietet sich dieses Material noch an?

Langfeld: Auf den so genannten LAS (Lithium-Alumino-Silikat)-Glaskeramiken baut der große Erfolg unserer Ceran® Glaskeramik Kochflächen, Robax® Kaminsichtscheiben und ZERODUR® Teleskopspiegelträger auf. Hier haben wir die Eigenschaften thermische Nullausdehnung, Festigkeit und Anmutung optimiert. Mit Glaskeramiken lässt sich aber ein viel größeres Spektrum an Produkteigenschaften erzielen. SCHOTT ist in der Lage, Glas und Glaskeramiken großtechnisch herzustellen. Zurzeit arbeiten wir intensiv an Glaskeramiken mit piezoelektrischen Eigenschaften. Deren Anwendungsmöglichkeiten reicht vom Feuerzeug bis hin zum Sensor im Dieselmotor.

solutions: Wie ist die SCHOTT Forschung auf diesem Gebiet aufgestellt?

Langfeld: Unsere Forscherteams in Mainz, Deutschland, und in Duryea, USA, haben piezoelektrische Glaskeramiken im Labor hergestellt, Patente angemeldet und die Basis für weltweit erste Produktentwicklungen geschaffen. Diese Glaskeramiken stellen bleifreie Alternativen zu herkömmlichen Piezomaterialien dar und haben weitere Vorteile für vielfältige Anwendungen. Wir betreten damit Neuland, haben aber eine exzellente technologische Basis und spielen gerade in Sachen Glaskeramik mit unserer breiten Kompetenz eine Vorreiterrolle.

solutions: Was sind Ihre künftigen Forschungsziele auf dem weiten Feld der Glaskeramiken?

Langfeld: Mit einem großen Kunden in der Beleuchtungsbranche entwickeln wir Glaskeramiken, die bei der Lichtkonversion im Zusammenhang mit LEDS eingesetzt werden können. In der Pipeline haben wir ein Glaskeramiksystem mit extremer Festigkeit, das in sicherheitsrelevanten Anwendungen geprüft wird. Das zeigt: Diese Materialklasse lässt sich weitaus vielfältiger einsetzen, als wir heute ahnen.