solutions 1/2007 – Ergänzende Informationen

Know-how gefragt: Die Steine aus Borosilicatglas waren in abgerundeter Form herzustellen. Dies ermöglichte die Verklebung zu kreisförmigen Steinreihen und damit die zylinderähnliche Form der Gedenkstätte.
(Foto: J. Meyer)

Michael Bonewitz

15.600 Glassteine für spanisches Mahnmal

„Bereits vor fast zwei Jahren wurde SCHOTT als Hersteller von Glaskomponenten für den Bau der gläsernen Gedenkstätte in Madrid einbezogen”, erinnert sich Lluis Trias. Der Produktmanager Architektur von SCHOTT Iberica in Barcelona wurde angesprochen vom Baukonzern Dragados, führend in Spanien und einer der bedeutendsten in Europa. Das Unternehmen entwickelte im Auftrag der Stadt Madrid ein neuartiges Baukonzept für ein Monument, das lediglich aus Glas konstruiert ist. Als Lieferpartner für die Glaselemente überzeugte SCHOTT mit der Kombination aus Formgebung, Material und Liefertreue, so die Architekten des Estudio FAM aus Madrid, die für den Entwurf des Mahnmals verantwortlich zeichneten. Die Tragwerksplanung hatten die beratenden Ingenieure des Büros Schlaich Bergermann und Partner aus Stuttgart, Deutschland, durchgeführt. Für eine termingerechte Projektumsetzung wurde am deutschen SCHOTT Standort Grünenplan frühzeitig eine Schmelzwanne zur Fertigung der angeforderten 15.600 Glassteine reserviert. Die besondere Herausforderung in den Vorgaben aus Spanien: Die Steine aus Borosilicatglas mussten in abgerundeter Form hergestellt werden – an der einen Seite konvex und an der anderen konkav. Diese Form ermöglicht die Verklebung zu kreisförmigen Steinreihen und damit die zylinderähnliche Form der Gedenkstätte. Ein Stein wiegt 8,4 Kilogramm, misst 200 mal 300 Millimeter und ist 70 Millimeter dick. „Bei der Fertigung mussten wir auf besonders enge Toleranzen achten”, erläutert Michael Quidde aus Grünenplan, der das Projekt vertrieblich betreute. Vonnöten war auch die bewährte hohe Temperaturwechselbeständigkeit des Borosilicatglases. Denn laut Vorgaben muss das Material den zuweilen extremen klimatischen Schwankungen in Madrid standhalten.
Zur termingerechten Lieferung der 15.600 Glassteine wurde am deutschen SCHOTT Standort Grünenplan frühzeitig eine Schmelzwanne reserviert.
(Foto: J. Meyer)

Ähnliche Anforderungen galten auch für die gläserne Flachdachkonstruktion. Sie besteht ebenfalls aus Borosilicatglas, das bei SCHOTT am deutschen Produktionsstandort Jena hergestellt wurde. Die 10 und 12 Millimeter dicken Gläser wurden im Floatverfahren gefertigt und besitzen eine extrem hohe Transmission. Zur Erhöhung der mechanischen Festigkeit wurde das Glas thermisch vorgespannt. In dieser Form wird es gewöhnlich unter dem Markennamen Pyran® S als Brandschutzglas eingesetzt. „Die Dimensionen und die unterschiedlichen Größen der Scheiben waren selbst für uns ungewöhnlich”, so Lutz Nöthlich vom Vertrieb in Jena, „und das alles bei einem äußerst engen Zeitplan”.

Das in Jena hergestellte Grundglas wurde anschließend in Kooperation mit dem österreichischen Unternehmen Glas Gasperlmair in Wagrain weiterverarbeitet. Dabei wurden jeweils drei Einzelscheiben in einem Laminierprozess zu einem 30 Millimeter starken Glasverbund zusammengefügt. Zwölf dieser Verbundglasscheiben bilden das Dach der Gedenkstätte.