SOFIA-Projekt

Gegenüber dem Atocha-Bahnhof erinnert das gläserne Monument an die Opfer des Terroranschlags von Madrid. (Foto: J. Meyer)
Amaya Quincoces

Glas gibt Trauer einen Raum

Am 11. März 2007 wurde in Madrid vom spanischen Königspaar eine gläserne Gedenkstätte eingeweiht. Sie erinnert an die Opfer des schlimmsten Terroranschlags in der Geschichte Spaniens. SCHOTT lieferte die Glaskomponenten für das Mahnmal.

Nahezu völliges Schweigen begleitete den Staatsakt. Zu hören war einzig eine Lautsprecherstimme als Geleit zur Einweihungszeremonie: Zunächst näherten sich zwei Vertreter der Polizei von Madrid in Galauniform mit einem Lorbeerkranz und der spanischen Flagge dem Königspaar. Don Juan Carlos und Doña Sofia legten die Lorbeerkrone vor der Gedenkstätte nieder und blieben neben ihr stehen. Es folgten drei Schweigeminuten, ein Applaus und die Interpretation des »Cant dels Ocells« (Der Gesang der Vögel) von Pau Casal, dem berühmten katalanischen Komponisten. Die Erinnerung an das Attentat und seine Opfer wurde buchstäblich greifbar: Genau drei Jahre zuvor, am 11. März 2004, starben 191 Menschen und fast 2.000 wurden verletzt, als am Bahnhof Atocha und anderen Stationen zur Hauptverkehrszeit kurz vor acht Uhr Bomben in mehreren Zügen explodierten. An dieser Stelle, gegenüber dem Bahnhof-Rundbau, wurde nun das Memorial eingeweiht: ein 140 Tonnen schwerer und 11 Meter hoher ovaler Glaszylinder mit einem Durchmesser von 8 mal 10,5 Metern. Bei dessen Konstruktion handelt es sich um eine „vollkommen neue” Technik, erklärten die Vertreter des Madrider Architekturbüros FAM. Die hierzu benötigten Glassteine hat der Glasspezialist SCHOTT geliefert.

Die komplette Gedenkstätte besteht aus zwei Teilen: dem Glaszylinder und einem unterirdischen Präsentationsraum. Beide Teile sind verbunden durch ein rundes Fenster. Dadurch soll der Eindruck vermittelt werden, dass aus den Tiefen des Bahnhofs, dem „Ort des Schmerzes”, das Memorial als „Hoffnungsschrei” hinauf in die Stadt strebt.

Im Innern des Glaszylinders sind die Namen der Opfer und die Trauerbekundungen der Bürger in eine transparente Kunststofffolie eingraviert. Sie werden vom einfallenden Licht jeden Tag bei Sonnenaufgang und -untergang erhellt. Dafür sorgt die Transparenz und Leuchtkraft der gläsernen Konstruktion. An der Einweihung, die unter strengen Sicherheitsmaßnahmen stattfand, nahmen die Familienangehörigen der Opfer sowie über 1.500 beim Attentat verletzte Personen teil. Zu den prominenten Gästen zählten der Prinz und die Prinzessin von Asturien, der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero und Madrids Bürgermeister Alberto Ruíz Gallardón. Mehrere Hundert Medienvertreter nahmen an der Zeremonie teil, die im spanischen Fernsehen übertragen wurde. Auch Vertreter von SCHOTT waren dabei: der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer, von SCHOTT Ibérica kamen Generaldirektor Luis Alberto Solá und der Projektverantwortliche Lluis Trias. Udo Ungeheuer war ergriffen: „Wer die Erschütterung der betroffenen Menschen gesehen hat, der hat mitgelitten. Ich bin stolz, dass SCHOTT ausgewählt wurde, einen Beitrag zu dieser Gedenkstätte zu leisten.”
Würdevoller Staatsakt: Das spanische Königspaar gedenkt den Opfern (oben Mitte). Monarch Juan Carlos dankt danach den Projektbeteiligten, darunter dem SCHOTT Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Udo Ungeheuer (oben links). Im Präsentationsraum unter dem Mahnmal (rechts unten) werden die Inschriften vom einfallenden Licht erhellt. (Foto: J. Meyer)