Funktionsgläser

Transparenz und Offenheit charakterisieren den gesamten Gebäudekomplex von La Coeur Défense.
Evi Arens, Journalistin, Mainz

Funktionale Eleganz

Im Zentrum des Pariser Geschäftsviertels La Défense ist der gigantische Bürokomplex Coeur Défense entstanden. Für ein Plus an Sicherheit im Brandfall sorgen dabei 10.000 Quadratmeter des Spezialglases „Pyran S“ von SCHOTT.

Nach mehreren Anläufen und immer wieder modifizierten Planungsskizzen fand das Mammutprojekt Coeur Défense im Sommer 2001 seinen Abschluss: Mit 350.000 Quadratmetern Fläche zählt es zu den bedeutendsten Büro-Immobilien-Projekten Europas. Insgesamt 10.000 Arbeitsplätze sind entstanden.

Meisterwerk funktionaler Architektur

Mit Coeur Défense hat der französische Architekt Jean-Paul Viguier moderne und funktionale Büro-Architektur geschaffen. Die Anmutung ist futuristisch, und die zwei hochaufgeschossenen, schmalen und versetzt nebeneinander thronenden Wolkenkratzer, mit ihren abgerundeten Kanten, erinnern an Zwillinge oder an ein hochaufgeschossenes Paar. Vor den Zwillingstürmen, die mit ihren insgesamt 40 Stockwerken 180 Meter hoch in die Lüfte ragen, stehen drei achtstöckige Gebäude von je 32 Metern Höhe. Der gesamte Komplex ist durch ein riesiges 40 Meter hohes Atrium miteinander verbunden, welches die notwendige Stabilität verleiht. In seiner Funktion als Empfangshalle beherbergt es Dienstleistungsbetriebe, Geschäfte und ein Konferenzzentrum. Selbst für kulturelle Veranstaltungen steht Raum zur Verfügung. Im Untergeschoss ist Platz für Taxen und Lastwagen. Rund 3000 Parkplätze finden sich auf den fünf unterirdischen Etagen. Im Inneren pendeln jeweils 8 Express-Lifte zwischen den Stockwerken. In nur 25 Sekunden wird man vom Erdgeschoss in die 39. Etage katapultiert.

Kostenoptimierung entscheidend

Im Verbindungsteil zwischen den Zwillingstürmen sorgen 10.000 Quadratmeter „Pyran S“ im Brandfall für ein Plus an Sicherheit.
Die Ausmaße des gesamten Projektes sind überwältigend. Allein beide Hochhaustürme mit 39 reinen Büroetagen – die 40. Etage ist der Technik vorbehalten – bieten 65.000 Quadratmeter Bürofläche. Die Fassaden der Gebäude umfassen insgesamt eine Fläche von 90.000 Quadratmetern. Verlegt wurden 20 Hektar Teppichboden und Millionen Kilometer Kabel. 4,2 Milliarden Francs oder 641 Millionen Euro hat die Gesellschaft Tanagra hier investiert. An ihr beteiligt sind Unibail mit 38 Prozent, Bouygues Immobilien mit 10 Prozent, die amerikanische Cross Roads Property Investors mit 40 Prozent und die deutsche Gothaer Versicherung mit 10 Prozent. Um die Ausgaben zu begrenzen, hatten für Architekt Viguier Funktionalität und Kostenoptimierung oberste Priorität. Sein letzter Entwurf zielte darauf ab, das thermische Verhalten der Fassaden und den Tageslichteinfall optimal zu gestalten. Er durfte jedoch nicht zu Lasten der von ihm anvisierten ausgeprägten Ästhetik gehen. Denn das Gesamtwerk, so die Intention Jean-Paul Viguiers, sollte transparent wirken. Eine architektonische Pionierleistung war gefragt, die auch Sicherheitsaspekten Rechnung zu tragen hatte.

Entscheidung für „SCHOTT Pyran S“

Rinaldi Structal, eine Filiale von Bouygues Batiment, beauftragte den Spezialglas-Produzenten und Veredler SCHOTT Jenaer Glas GmbH über die französische Vertriebsgesellschaft SCHOTT France mit der Lösung der Anforderungen des Architekten und der Bereitstellung der Brandschutzverglasung. Dank „Pyran S“ war Rinaldi auch bei der Brandschutzverglasung in der Lage – ähnlich der Gesamtfassade – eine Doppelverglasung mit Druckausgleich und integrierten Jalousien zu realisieren. Dominique Kienlen, Forschungs- und Entwicklungschef bei Rinaldi Structal, erläutert den Grund: „Um die bei Doppelverglasung oftmals bemängelte frühzeitige Alterung zu vermeiden, haben wir uns darauf konzentriert, einen staub- und kondensationsfreien Scheibenzwischenraum zu realisieren.“ Durch die Verarbeitung von „Pyran S“ konnte Rinaldi sowohl hohe Brandschutz- und Sicherheitsvorschriften einhalten als auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Im Verbindungsteil zwischen den beiden Hochhaustürmen musste das eingesetzte „Pyran S“ die Anforderungen einer G 60 Verglasung erfüllen, in den Verbindungsbereichen zwischen der Fassade und der Glaswand war sogar die Feuerwiderstandsklasse G 120 gefordert. Entsprechende Brandschutzverglasungen sollen über die Dauer von 60 beziehungsweise 120 Minuten – den Flammen- und Rauchgasdurchtritt verhindern. Diese Anforderungen konnte „Pyran S“ von SCHOTT erfüllen. Der gesamte Gebäudekomplex Coeur Défense profitiert von den herausragenden Eigenschaften, die das Spezialglas „Pyran S“ bietet. Architekt Viguier ist es gelungen, das alte Konzept dunkel verglaster, reflektierender Bürotürme im Büroviertel La Défense zu durchbrechen und eine Ästhetik der Transparenz und Offenheit zu erzielen: 10.000 Quadratmeter, nur 6 Millimeter dünnes, extrem leichtes „Pyran S“ mit seiner sehr hohen Lichtdurchlässigkeit von 92 Prozent, boten für das gigantische Bauwerk des neuen Jahrtausends die Lösung.