Kunst mit Lichteffekten

Lichtanlage von Pere Bruix im Bad eines Zimmers des Hotels Sants Barceló während der Ausstellung zeitgenössicher Kunst „New Art Barcelona 2000“.
Evi Arens, Journalistin, Mainz

Eine Welt kleiner Lichter

Der spanische Künstler Pere Bruix arbeitet mit Glasfasern und erzielt dabei beeindruckende Effekte.

Bei Betreten des Badezimmers mit der Lichtanlage „Über die Zeiten hinweg“ von Pere Bruix sah er sich mehrfach in seinem Spiegelbild. Eine immense Anzahl von Lichtpunkten, erzeugt durch „Sideglow“, seitlich abstrahlende faseroptische Lichtleiter von SCHOTT, verstärkte noch die Wirkung.

Wie in Borges’ Gedicht sind auch die Spiegel der Lichtanlage von Pere Bruix Symbol einer zugleich beängstigenden und attraktiven Realität. Sie laden uns ein in eine andere Welt. Eine Welt, geschaffen von einer Vielzahl kleiner Lichter. Sie begleiten unser „Alter Ego“, das uns ganz nah und gleichzeitig weit entfernt und unerreichbar betrachtet. Die verschiedenen Lichtpunkte und die unaufhörlich herunterrieselnden Wassertropfen sind Gleichnis für den unwiderruflichen Verlauf der Zeit. Sie verschaffen uns Zugang zu einer anderen Dimension. Eine Dimension, die uns zum Träumen auf die andere Seite des Spiegels entführt.

Vielschichtig wie Kaleidoskope

Die Erforschung der komplexen Beziehung zwischen räumlicher und zeitlicher Dimension spielt im Werk von Pere Bruix eine zentrale Rolle. Ob Malerei, Bildhauerkunst oder künstlerische Installationen, Bruix unternimmt mit seiner Kunst den Versuch, Visuelles und Bildhaftes mit Metaphysischem zu kombinieren und harmonisieren. Seine Kunstwerke sind vielschichtig wie Kaleidoskope und lassen sich vielseitig deuten. Die verwendeten „Sideglow“ Fasern mutieren bei Bruix von einer rein funktionellen Lichtlösung zu einem Stoff, aus dem die Träume sind. Und so eröffnen sich damit unzählige Möglichkeiten des Lichtdesigns, um bislang ungeahnte neue Tendenzen und Effekte zu kreieren.

Pere Bruix: Ein Leben für die Schönen Künste

Bruix (51) arbeitet als Designer, Video- und Digitalbildtechniker, Fotograf sowie Grafiker und kreiert künstlerische Installationen.

Darüber hinaus ist Pere Bruix Professor für Zeichnen, Design und Bildtechnik. Er ist Promoter von Ausstellungen und Aktivitäten für zeitgenössische Kunst der „Art Actual Artistes Associats 4-AS“ in Barcelona.


An den Spiegel
Warum beharrst du, Spiegel ohne Ende?
Warum doppelst du, mysteriöser Bruder,
die winzigste Bewegung meiner Hand?
Warum der jähe Widerschein im Schatten?
Du bist das andre Ich, von dem der Grieche
spricht, und lauerst schon immer.
In der Glätte vagen Wassers und dauerhaften Glases suchst du mich;
es ist sinnlos, blind zu sein.
Dass ich dich nicht sehen kann, aber weiß,
verleiht dir Grauen, Zauberding, das wagt,
die Zahl der Dinge zu vervielfachen,
die wir sind, die unser Geschick ergeben.
Wenn ich tot bin, kopierst du einen andren,
und danach einen andren, andren, andren...

aus: Jorge Luis Borges, „Schatten und Tiger“, Gedichte 1966-1972, Fischer