Genauigkeit unter Beweis gestellt

Fragen an Prof. Dr. Gerd Müller, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung in Würzburg, Mitglied des Kuratoriums des Otto SCHOTT Forschungspreises.

Wie zuverlässig arbeiten die neuen Modelle auf der Basis rein thermo-dynamischer Daten?

Während des letzten Jahrzehntes haben beide Forschergruppen beeindruckende und nach Meinung des Kuratoriums überzeugende Belege dafür geliefert, dass ihre Modelle funktionieren und zuverlässige Ergebnisse erbringen – in vielen Fällen mit dem gleichen Genauigkeitsgrad wie die experimentellen Daten.

Welche Charakteristika können mit der neuen Methode ermittelt werden?

Sowohl Eigenschaften wie Volumen, Wärmeausdehnung oder Wärmekapazität, die sich direkt auf thermodynamische Funktionen und ihre Ableitungen beziehen, als auch Transporteigenschaften wie Diffusion, Ionenleitfähigkeit oder sogar eine so komplexe Größe wie die Viskosität.

Ist ein praktischer Nutzen absehbar?

Das Otto SCHOTT Kuratorium ist überzeugt, dass sich die thermodynamischen Modelle in der Praxis als äußerst nützlich erweisen werden. Deshalb befürwortet und fördert SCHOTT GLAS die enge Zusammenarbeit aller Preisträger.

Was konkret heißt das?

Wir hoffen, dass bald Software-Pakete für die Entwicklung und Optimierung von vielkomponentigen technischen Gläsern zur Verfügung stehen. Zum jetzigen Zeitpunkt errechnen die Modelle die Eigenschaften aus den Zusammensetzungen. Mit Hilfe geeigneter Algorithmen und leistungsfähiger Computer sollte in absehbarer Zeit das umgekehrte Problem, nämlich die Vorausberechnung geeigneter Zusammensetzungen zur Erzeugung der jeweils gewünschten Eigenschaften direkt lösbar sein.