Glaskunst

Im Alurahmen aufgereihte gläserne Röhren sammeln und brechen das Licht. Interessante Effekte entstehen durch rückseitig aufgemalte geometrische Farbflächen.
Silke Scharhag, Journalistin, Mainz

Licht in Röhren

Spezialglasröhren von SCHOTT verwendet der Schweizer Glaskünstler und Grafiker Josef Andraska, um seine leuchtenden Raumobjekte vom Skizzenpapier in die Wirklichkeit umzusetzen.

„GLaS“, so der kurze prägnante Name seines Ateliers, war für den Künstler Josef Andraska schon immer mehr als eine bloße Verbindung chemischer Grundstoffe. Es bedeutet für ihn Form und Farbe, Feuer und Wärme: „Glas ist für mich Kunst, Poesie und Freude – Werte, die mit Hilfe von natürlichem oder künstlichem Licht auf spielerische Art und Weise zum Leben erweckt werden.“

Und eben dieses Lichtspiel gibt den Werken des in der Schweiz lebenden Grafikers ihre Besonderheit: Licht von natürlichen oder künstlichen Lichtquellen bricht sich in vielfältiger Weise an den Innen- und Außenflächen von „SCHOTT AR Glas“ oder „Duran“ Glasröhren, so dass die Objekte je nach Standpunkt des Betrachters ihr Aussehen verändern. Bei den 150x150 Zentimeter großen Bildern des Glaskünstlers sammeln im Alurahmen nebeneinander aufgereihte Röhren Licht und beleben so die geometrischen Farbflächen auf der Rückwand.

Doch nicht nur Bilder im klassischen Sinne gehören zu dem Objekt-Repertoire des aus Ungarn stammenden Andraska. Glasröhren bekommen Glasringe aufgedrückt und werden von beiden Enden beleuchtet. Das Licht bricht sich an den Ringen. Neben- und hintereinander aufgereiht ergeben die Röhren eine Trennwand, die ganz und gar von der üblichen Vorstellung einer solchen abweicht.

Glasschule in Ungarn

Durch ein Neben- und Hintereinander von künstlerisch bearbeiteten „Duran“ Glasröhren sowie eine Ausleuchtung mit „Spectraflex“ Lichtleitern entsteht eine interessante plastische Wirkung.
Mit einer einzigen Lichtquelle erreicht der Künstler in den „Duran“ Glasröhren eine faszi-nierende Lichtreflexion.
Josef Andraska entdeckte bereits in jungen Jahren seine Liebe zum Werkstoff Glas. Er absolvierte zunächst sein Abitur in der Fachklasse „Glas“, dann besuchte er die Budapester Kunstakademie. Schon hier galt sein Interesse neben der Grafik vor allem dem Glas und dessen Design- Möglichkeiten. Umsetzen konnte er seine Kenntnisse als Entwerfer in ungarischen Glasmanufakturen; präsentieren konnte er seine Objekte in ersten Ausstellungen. 1970 emigrierte Andraska mit seiner Frau in die Schweiz, wo er bei verschiedenen führenden Werbeagenturen als Grafiker und später als Artdirector beschäftigt war.

Ein einschneidender Umbruch kam für den erfolgreichen Grafiker in der Lebensmitte: Um den 50. Geburtstag entdeckte er wieder seine alte Leidenschaft zum Glas. Seither entstehen regelmäßig in seinem Atelier in Uetikon auf Papier skizzierte Arbeitsprozesse, die mehrmals im Jahr unter seiner Anleitung durch Glasmanufakturen in Ungarn umgesetzt werden. Zu 70 Prozent entsprechen die Objekte den Detailplänen des Künstlers, zu 30 Prozent aber führt der Zufall Regie. Vor allem bei seinen kleineren Objekten fühlt sich Andraska oft wie ein Alchimist oder ein „Pröbler“, beispielsweise bei Vasen, Flaschen oder Dekoschalen: Farbmineralien wie blaues Kobalt oder weißes Opal werden der glühenden, flüssigen Schmelze von 800 Grad Celsius in einer Art Zentrifugalverfahren beigemengt und verleihen dem Glas japanisch anmutende Oberflächen.

Effektvolle Beleuchtung

Seinen Sinn für Glas und Licht kombiniert der Künstler mit seinem Gespür für Räume, wenn er seine großen Werke aus Industrieglas realisiert. Ebenso wie die kleinen sind auch sie Gegenstände, die im Alltag benutzt werden können: Als Leseleuchte neben einem entspannenden Relaxsessel eignet sich die „Halogenlampe“. Rund fünfzig „Duran“ Glasröhren mit einem Durchmesser von 14 Millimetern und einer Höhe von 150 Zentimetern sind in einem Marmorsockel befestigt, die durch eine einzige Lichtquelle, einer Halogenlampe, zum Leuchten gebracht werden. Es scheint, als wäre in jedem Glasrohr eine separate kleine Lampe angebracht.

Auch „Spectraflex“ – faseroptische Lichtleitfasern von SCHOTT – lassen bei der Deckenbeleuchtung „Bar“ viele, unterschiedlich lange Glasröhren aufleuchten. Ein Himmel voller Leuchtröhren offenbart sich dem Barbesucher, wenn er unter angenehmer Beleuchtung den Blick vom Weinglas am Tresen zum Glas an der Decke hebt.