Spezialglasröhrchen

Klein im Format und doch groß in der Wirkung: präzise gewinkelte „Duran“ Röhrchen in der Schussgarnaufbereitung der Webmaschine.
Inge Keller-Höhl, SCHOTT Schweiz, Feldbach/Schweiz

Die Revolution des Webens

Dem Schweizer Textilmaschinenhersteller Sulzer Textil ist mit einer Mehrphasenwebmaschine für Standardgewebe ein Innovationsschub erster Güte gelungen. Hochpräzise „Duran“ Glasröhrchen sorgen für einwandfreie Schussgarnaufbereitung.

Im Websaal ist ohrenbetäubender Lärm. Neben Webmaschinen konventioneller Bauart steht sie: die revolutionäre M8300. Sie durchläuft gerade Tests, jedoch viel leiser als ihre älteren Verwandten. Der Unterschied zwischen den konventionellen Webmaschinen und der futuristisch anmutenden Neuentwicklung ist auch für Laien offensichtlich. Seit Jahrhunderten hat sich am Prinzip des Webens nichts geändert. Gewebe werden nach wie vor durch die rechtwinklige Verkreuzung von Fäden hergestellt. Weltweit erfolgt die Produktion von gewobenen Stoffen noch immer mit einphasig konzipierten Webmaschinen.

Konventionelle Technik am Limit

Bisher bestand der Fortschritt der Technik darin, dass in der Geschwindigkeitssteigerung des Webprozesses das Heil gesucht wurde. Die Schusseintragleistung entwickelte sich über Hunderte von Jahren von wenigen Metern pro Minute auf den heutigen Stand von mehr als 2.000 Metern pro Minute. Das bedeutet stetig höhere Beanspruchung der Mechanik und des Garns. Durch das Beschleunigen und Abbremsen wird der Faden bis an die Grenzen seiner Reißkraft beansprucht. Hier ist eine Steigerung der Leistung nicht mehr möglich. Nicht so beim revolutionären mehrphasigen System von Sulzer: Die Mehrphasenwebmaschine kann mittels Druckluft gleichzeitig vier Schussfäden eintragen. Synchron und mit rasender Geschwindigkeit – nämlich 1.250 Metern pro Minute – kommt der Faden in die Webfächer. Die neue Technik steigert im Vergleich zu herkömmlichen Maschinen die Kapazität um das Dreifache und senkt die Produktionskosten um bis zu 30 Prozent.

Spezialglas für Schussgarnaufbereitung

Ein Kernstück der Maschine ist die Schussgarnaufbereitung. Hier sind hochpräzise „Duran“ Spezialglasröhrchen von SCHOTT ein zentrales Element. Die Auftragsabwicklung erfolgte über die Vertriebsgesellschaft SCHOTT Schweiz. „Duran“ erwies sich auf Grund der guten Oberflächenstruktur als der geeignete Werkstoff. Nach einigen Tests wurden die hohen Anforderungen an die Genauigkeit der Biegung und der Glasenden festgelegt. Weiterer Vorteil: SCHOTT ist in der Lage, eine serienmäßige Produktion der Teile bei konstant hoher Qualität zu ermöglichen. Die Glasröhrchen sind sehr gut zur Aufnahme des Fadens geeignet, weil sie im Gegensatz zu Metall oder Kunststoff weder eine Kante noch andere kleine Unebenheiten aufweisen, welche den Durchfluss stören könnten.

Die durch Luft bewegten Fäden treten mit hoher Geschwindigkeit aus den Luftkanälen aus, um in die Schusskanäle zu gelangen. Man kann sich gut vorstellen, dass hier das Zusammenspiel von Material und Technologie auf höchstem Niveau stattfindet. Die gefürchteten Maschinenstoppsdurch schlechtes Einfädeln konnten minimiert werden. Heute ist es maximal noch jeder 500.000ste Einschuss, welcher einen Stopp verursacht.