Glaskunst

Die 1999 kreierte Skulptur „Triumph“ wurde ausgeschnitten, geschliffen und poliert.
„Pacific Flora“ (1999): eine Skulptur-Variante mit Verzierungen.
Katherine Hause, Journalistin,
Equinunk/Pennsylvania, USA


Gebrochenes Licht

Die Schenkung der massiven Glas Skulptur „Sail” an die Universität von Central Florida bietet SCHOTT Glas Technologies Gelegenheit, die Kunst des Bildhauers Christopher Ries unter Beweis zu stellen.

Glas begeistert und fasziniert ihn aufgrund seiner Effekte, die es als lichtdurchlässiges, transparentes, optisches Material hervorrufen kann. Sein Medium ist Glas, SCHOTT Glas, meistens LF5, das reine, klare Weiß.

„Die Herausforderung liegt darin, einen reinen Rohstoff zu nehmen und zu versuchen, etwas daraus zu machen, was die Phantasie beflügelt“, erläutert Christopher Ries. Der Lichtbrechungsindex des Glases ist das Verhältnis zwischen der Geschwindigkeit des Lichts im Glas und in der Luft. So lässt sich die unterschiedlich stark ausgeprägte Fähigkeit von Glas, Licht einzufangen und es in seine Spektralfarben zu zerlegen, messen. Je höher der Index, desto stärker ist die Farbaufspaltung und Reflektion. „Man könnte sagen, ich komponiere Licht durch das Medium Glas,“ schildert Ries seine künstlerische Tätigkeit.

Seine Suche nach Glas in makelloser optischer Qualität brachte Ries zu SCHOTT, wo er Bruchglas bei SCHOTT Glass Technologies in Duryea, Pennsylvania, dazu benutzte, die Skulpturen seiner Vorstelllung zu erschaffen. Eine davon war „Moonstone“, ein 190 Kilogramm schweres Ei in transparentem Blau. In seinem Inneren schien eine Verkörperung des Mondes zu schweben. Genau diese Skulptur war es, die das Unternehmen 1986 veranlasste, Ries den Posten eines Künstlers mit festem Atelier bei SCHOTT, eines „Artist in Residence“ (=„Haus-Künstler“), anzubieten. Ein Schritt, der sein Leben änderte. Eine kurze Probephase von sechs Monaten überzeugte ihn, dass die Zusammenarbeit „fruchtbar“ sein würde. Ries zog mit seiner Familie auf eine Farm aus dem 19. Jahrhundert, die nicht weit von SCHOTT Glass Technologies entfernt ist. Aus der Scheune machte er eine Galerie für seine Arbeiten und eine Werkstatt, in der er und seine Assistenten kleinere Objekte fertigen.

Atelier bei SCHOTT

Ries in seinem Atelier. Die Wirkung seiner Skulpturen basiert auf der Reinheit, Lichtdurchlässigkeit und dem Brechungsindex des optischen Glases.
Seine bedeutenderen Arbeiten jedoch, von denen manche über 500 Kilogramm wiegen, werden in seinem Atelier bei SCHOTT hergestellt. Dort transportieren Spezialkräne die massiven Einzelteile schrittweise von einer Fertigungsphase in die nächste; ein Prozess, der manchmal Monate dauert, aber erforderlich ist, um einzigartige, spektakuläre Skulpturen zu erschaffen. Nachdem Ries das Glas ausgewählt und die Form mit einem roten Wachsstift grob skizziert hat, schneidet er jedes Stück selbst. Dies sind seine sogenannten „kalten Schnitte“. Danach beginnt die mühsame Aufgabe des Schleifens und Polierens. Für den letzten Schliff benutzt er sowohl Pressluftwerkzeuge, die er selbst mitentwickelt hat, als auch wertvollste, mit Diamanten besetzte Bohrer, die auch in Zahnarztpraxen eingesetzt werden. Vier SCHOTT Mitarbeiter, Corey Bormann, Ernie Hubert, Doug Leidy und Kevin Rail, stehen ihm dabei zur Seite.

Seine Kunst, das ist die Fähigkeit Illusionen zu erzeugen und dabei sein profundes Wissen über die Natur des Glases gekonnt einzusetzen. Er weiß beispielsweise, wie man eine Kurve ausschneiden muss, damit ein Blumenblatt erscheint und sich öffnet oder um Harfensaiten in Schwingung zu versetzen. Um so erstaunlicher mutet es an, dass die Mehrzahl seiner Werke abstrakt ist, und „die Essenz der Realität“ herausfiltert. Zum Bestandteil ihrer außergewöhnlichen Beziehung, die SCHOTT eine Beteiligung an den größeren Arbeiten einräumt, gehört es, dass das Unternehmen die Skulpturen von Ries für größere Schenkungen benutzt. Zuletzt an die Universität von Central Florida, wo SCHOTT Glass Technologies als Industrieunternehmen beratendes Mitglied in verschiedenen Gremien ist. „Skulpturen von Christopher Ries lassen die Qualität unseres Materials in seinem besten Licht erscheinen. Sogar Leute, die nichts mit unserem Fachgebiet zu tun haben, staunen über die Reinheit unseres Glases, die Ries durch seine Kunst offenlegt,“ sagt Bruce Jennings, Präsident von SCHOTT Glass Technologies. „Die Arbeit, die wir gemeinsam erbracht haben, wird dem Image unserer Firma förderlich sein, solange sie existiert“.