Schiffsbau

Seit Mitte 2000 auf hoher See: „Millennium“, ein Passagierschiff der Superlative. (Fotos: Yves Guillotin)
Andreas Séché, P.M. Magazin, München

Luxusliner mit Lichtpunkten

Mehr als zwei Jahre baute die französische Werft Chantiers de l’Atlantique an dem ersten „Millennium“-Kreuzer der norwegischen Reederei Royal Caribbean Cruises. Mit an Bord ist faseroptische Beleuchtungstechnik von SCHOTT.

Er soll wohl ein bisschen so sein wie die „Titanic“ – nur noch etwas gewaltiger. Und sein Name klingt weniger pathetisch: „Millennium“ heißt der neueste Luxusliner für Kreuzfahrer. Tatsächlich wurde pünktlich zum Jahr 2000 die letzte Naht geschweißt – in einer der prominentesten Schiffswerften Frankreichs: Chantiers de l’Atlantique in St. Nazaire an der Atlantikküste. Im Juni 2000 trat das 350 Millionen Dollar teure Passagierschiff seine Jungfernfahrt an. Der Auftraggeber, die norwegische Reederei Royal Caribbean Cruises mit Sitz in Miami, hat gleich vier Millennium-Kreuzer bestellt. Mit einem dieser Giganten will sie auf Nordeuropa-Tour gehen und dabei auch einen Stop in Rostock machen. Er wird mit seinen 91.000 Bruttoregistertonnen das größte aller Passagierschiffe sein, die deutsche Häfen anlaufen: 294 Meter lang und 32,2 Meter breit.

Seeurlaub ist „in“

Die Waren in den Vitrinen der Schiffsboutique werden mit Faseroptik ins rechte Licht gesetzt.
In der Piano Bar sorgen Lichtpunkte für dezente Atmosphäre.
Die Schiffe der Millennium-Klasse können weltweit eingesetzt werden, und Fahrten in die Karibik sind ebenso vorgesehen wie die schon geplanten Europa-Törns. Dass die Sache ein Erfolg wird, davon kann die Reederei getrost ausgehen: 1999 machten neun Millionen Menschen eine Kreuzfahrt – Urlaub auf See ist wieder „in“. Damit keine Langeweile aufkommt, gibt es auf der „Millennium“ gleich drei Schwimmbecken, eine große Diskothek für 750 Besucher, ein Theater über zwei Etagen mit 900 Sitzplätzen, ein Casino, ein Ballspielfeld und einen Golfübungsplatz. Von Deck zu Deck gelangt man in einem gläsernen Außenaufzug, der während der Fahrt einen Blick über den Ozean gestattet. Für Abwechslung sorgen auch elegante Shops, Restaurants und Bars.

Originell und wartungsfreundlich

Der Sternenhimmel im Theatersaal der „Millennium“ besteht aus 600 Lichtpunkten.
Wartungsfreundlich: faseroptische Deckenbeleuchtung im Aufzugsbereich.
Die Ausstattung des Luxusliners erinnert an die große Zeit der Linienschiffe: modern und doch nostalgisch. Für originelle Beleuchtung sorgen Faseroptik-Komponenten von SCHOTT. Die Projektbetreuung übernahm die französische Vertriebsgesellschaft SCHOTT France. 23.000 Meter Fasern wurden für dekorative Zwecke wie Sternenhimmel im Theatersaal, in der Spielothek oder in der Piano Bar, aber auch zur Beleuchtung der Schwimmbäder, von Fluren oder Vitrinen eingesetzt. Ihr großer Vorteil: Neben den im Vergleich zu konventionellen Beleuchtungssystemen sehr geringen Wartungs-kosten ermöglichen sie auch eine erhebliche Energieersparnis, da eine Lichtquelle eine Vielzahl von Lichtpunkten speist.

Neues Energiekonzept

Auch der Brunnen im FitnessClub wird mit Faseroptik illuminiert.
Eine Neuheit auf Luxuslinern ist die Stromerzeugung – die Kombination aus Gasturbinen einer Luftfahrtfirma und Dampfturbinen. Das Ganze ist viel umweltfreundlicher, leiser und braucht weniger Platz, so dass auf der „Millennium“ 50 Passagierkabinen mehr untergebracht werden konnten. Die von den Turbinen erzeugte Bewegungsenergie wird von einem Generator in so viel Strom umgewandelt, dass man damit eine Stadt mit 30.000 Menschen versorgen könnte. Der Strom fließt in einen für Kreuzfahrtschiffe ungewöhnlichen Antrieb, das so genannte Pod-System. Es wurde ursprünglich bei Eisbrechern eingesetzt: Die Antriebsmotoren sind wie Außenbordmotoren außerhalb des Rumpfes unter dem Heck angebracht. Normal ist, dass die Propeller über eine starre Antriebswelle mit einem Motor im Schiffsinneren verbunden sind. Da die Motoren bei der „Millennium“ außen sind, entfällt die starre Verbindung, so dass sie mit den Propellern um die eigene Achse gedreht werden können: Das herkömmliche Ruder wird überflüssig, außerdem ist das Schiff enorm wendig. Weil es fast wie ein Auto einparkt, kann es auch kleinere Häfen anlaufen. Und das wiederum heißt: Die Reederei kann ihr Angebot an Kreuzfahrten erweitern.

Das Pod-System bringt die „Millennium“ auf 24 Knoten (gut 44 km/h). Die Reisegeschwindigkeit liegt jedoch bei 20 Knoten (37 km/h), weil das Schiff bei diesem Tempo vibrationsärmer fährt. Solche Details sind wichtig, denn bis zum Jahr 2005 werden weltweit gleich 50 neue Luxuskreuzer um Kunden werben. Aber keiner der Konkurrenten kann den Kick bieten, der die Passagiere auf der „Millennium“ erwartet: In ihrem Restaurant „The Olympic“ wurden die Wände mit den Originalpaneelen aus der alten „Olympic“ verkleidet – dem Schwesterschiff der Titanic.