Kunst mit Scherben

Bildet „Licht-Leben“ ab: Fotograf Hermann Schröder
Silke Scharhag, Journalistin, Mainz

Regenbogen im Glas

Optisches Glas von SCHOTT und Licht sind Hauptwerkstoffe des Künstlers Hermann Schröder, der mit seiner Fotokamera surreale Lichtwelten auf Zelluloid zaubert.

Der Betrachter ist sich nicht sicher: Ein Stück vom Regenbogen oder ein bunt schillernder Gletscher? Ist das alles gemalt oder gibt es das wirklich?

Sicher ist nur, dass die bizarren Fotografien neue Farbwelten schaffen: Pastellfarbene Kristalle erleuchten dunkle Nächte, und rote Wellen brechen grüne Ebenen.

Und genau da begegnet man den Hauptwerkstoffen des Künstlers aus dem nordrhein-westfälischen Halver: Licht, gebrochen an klarem Glas. Die Aufnahmen Hermann Schröders zeigen um bis zu 200fache Vergrößerungen von Glasbruchstellen. Die Objekte werden im Makrobereich fotografiert und sind tatsächlich nur fünf bis zehn Millimeter groß. Die abstrakten Farbwelten entpuppen sich als reale Glasbrüche, die beleuchtet und modelliert werden. „Besser sollte man diese Bilder vielleicht als ‚semiabstrakte‘ Kunstrichtung bezeichnen“, meint Hermann Schröder. „Es handelt sich um reale Aufnahmen ohne nachträgliche Veränderung, zum Beispiel Bildbearbeitung am Computer. Bei entsprechender Auswahl des Glasbruchs, geeigneter Beleuchtung und Farbauslegung erinnern sie oft an naturnahe, lebensechte Motive.“
Der Eisvogel (rechts) und ein Gebirge aus Eis (oben):
Mit einem Makroobjektiv aufgenommen erinnern Glasbrüche oft an naturnahe Motive.
Die Idee, auf diese Weise Fotografien künstlerisch zu gestalten, hatte der Amateurfotograf bereits Anfang der siebziger Jahre, als er sich mit seinem Objektiv auf die Suche nach neuen Motiven machte. So nahm er Bruchflächen von klarem Glas in seinen Fokus. Der nächste Schritt war, das klare Glas durch Lichtbrechung einzufärben und somit zu beleben. Doch zunächst blieb es bei Versuchen. Den Ruhestand nicht allzu wörtlich nehmend, reaktivierte der Pensionär Mitte der neunziger Jahre seine alten Ideen und entwickelte sie weiter.

Die bunten Bilder kommen an: Mittlerweile kann Schröder auf sieben Ausstellungen zurückblicken. Auch die Fachwelt ist von der neuen Art der Fotografie begeistert. Kunstprofessor Ernst Fuchs aus Wien: „Das experimentelle Verfahren Hermann Schröders ist sehr interessant. Es stellt eine fazinierende neue Möglichkeit dar, das Licht-Leben abzubilden.“

Optische Gläser von SCHOTT verwendet der Künstler, um seine farbigen Welten zu kreieren. Fängt er an zu arbeiten, steht er erst einmal vor einem Scherbenhaufen. Dieser wird nach Glasbrüchen durchwühlt – die Objekte werden im wahrsten Sinne des Wortes ‚unter die Lupe genommen‘. Hermann Schröder hat selten eine exakte Vorstellung, wie das endgültige Bild aussieht: „Oft passiert es, dass das Bild später ganz anders aussieht als zuvor die Scherbe“, so der Fotograf über seine immer wieder Überraschungen bergende Kunst.

Das genaue Verfahren, wie ein Bild der ‚Fotografierten Lichtmalerei‘ entsteht, ist Hermann Schröders Know-how. Das soll auch in Zukunft weiter so geheimnisvoll bleiben wie eine der prächtigen Zauberwelten, die der Künstler mittels Glas, Licht und Kamera auf Papier bannen kann.