Sonnenbrillen

Ute Hoffmann, Journalistin, Mainz

Optisch wirkungsvoll

Seit 40 Jahren fertigt die französische Firma Pouilloux „Vuarnet“-Sonnenbrillen für höchste Ansprüche. Die Presslinge dafür bezieht das Unternehmen von der SCHOTT Spezialglas AG, Standort Grünenplan AG.

„It’s a Vuarnet day today“ – so bezeichnete man in amerikanischen Sportlerkreisen einen strahlenden Tag für ausgezeichnete Sonnenbrillen. Eine bemerkenswerte Tatsache, wenn man bedenkt, dass eigentlich die Amerikaner bei diesem Produkt im Markt den Ton angeben. Im Fall der „Vuarnet“-Brillen fing es mit einer Wochenschau an, in der Joseph Hatchiguian vom Kinosessel aus ein Interview mit Juan Vuarnet sah, als dieser anlässlich seines Sieges bei den Olympischen Spielen 1960 in Squaw Valley interviewt wurde. Vuarnet trug die Gläser, mit denen das Unternehmen Pouilloux die französische Mannschaft ausgerüstet hatte. Roger Pouilloux und Hatchiguian hatten die Idee, Jean Vuarnet anzusprechen, um die Marke zu schaffen, die von der wachsenden Popularität des Sportlers profitierte.

Die Brillen wurden mit einem neuen Mineralglas ausgestattet, dessen hervorragende Eigenschaften sofort die Sportwelt und anschließend auch ein breites Publikum begeisterten.

Top-Design und leistungsstarke Gläser

Für den Profi wird „die Vuarnet“ schnell zur Selbstverständlichkeit. Aus einem französischen Phänomen wird 1984 ein internationales, als die „Vuarnet“-Brille offizieller Partner der Olympischen Spiele in Los Angeles wird, was ihr ein weltweites Renommee einbringt.

Grundlage für den Aufstieg und die dauerhafte Marktpräsenz ist die kompromisslose Entscheidung für Qualität, die ebenso dem Design der Gestelle wie der Leistungsfähigkeit der Gläser gilt. Ihre Brillenglaspresslinge in grau, braun, gelb und gelbgrün bezieht die Firma Pouilloux ausschließlich von SCHOTT Spezialglas AG, Standort Grünenplan in Grünenplan/ Deutschland. Mit hausinterner Technologie beschichtet und weiterverarbeitet, werden sie in die Fassungen aus Acetat, Metall oder Nylon montiert. Die ausgezeichnete Sonnenschutzwirkung der Mineralgläser ist ebenso einhellig anerkannt wie ihre hervorragenden optischen Eigenschaften und ihre im Vergleich zu Kunststoff höhere Kratzfestigkeit. Acht verschiedene Glastypen, darunter „Skilynx“ und „Unilynx“, erfüllen auch extreme Anforderungen an Transparenz und Schutz. Diese Charakteristika bestimmen auch den nicht gerade niedrigen, aber allgemein akzeptierten Preis. Bezeichnend ist, dass rund 80 Prozent der Brillen über die Theke des Optikers gehen, der dem Kunden ihre Vorteile detailliert erläutern kann. Pouilloux hat es verstanden, sein Programm auf gezielte Einsatzbereiche auszuweiten: zum Autofahren, für den Wassersport oder die City. Dabei werden die Schutzstufen 0 bis 4 gemäß EN (Europäischer Norm) 1836 berücksichtigt. Pouilloux liefert sein Brillensortiment auch mit Korrekturgläsern, die das Unternehmen in seinem eigenen Pariser Betrieb herstellt. Diese Programmerweiterung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit SCHOTT Spezialglas AG, Standort Grünenplan unter Mitwirkung von SCHOTT France. Inzwischen kann man auf eine jahrzehntelange Partnerschaft zurückblicken.

Auf der Basis fachlicher Kompetenz und kontinuierlicher Qualität hat Pouilloux einen beachtlichen Stamm regelmäßiger Kunden aufgebaut; einige Geschäftsverbindungen laufen bereits seit über 20 Jahren. Das beweist, dass „die Vuarnet“ sich über alle Launen von Mode und Geschmack hinweg behauptet und ein Gespür für das Anliegen des Verbrauchers entwickelt hat – und das, obwohl die Helden der 60er Jahre für die Jungend von heute „Schnee von gestern“ sind. Die „Vuarnet“-Brille hat in 40 Jahren ihre eigene Berühmtheit entwickelt.

Hergestellt werden die Sonnenschutzgläser von der Pouilloux-Tochter Comitec und Sovis. Der Leiter von Comitec, Jean-Pierre Marie, ist ein Verfechter des Mineralglases für den Sonnenschutz: „Der Vorwurf des größeren Gewichts ist kein Problem. Was bedeuten 1 oder 1,5 Gramm, wenn die Vorteile so sehr überwiegen? Zumal man heute vorgespannte mineralische Gläser produzieren kann, was sie wesentlich bruchsicherer macht. Zudem muss man sagen, dass – entgegen der allgemeinen Annahme – die Fertigung von Sonnenschutzgläsern keineswegs weniger komplex ist als die von Korrekturgläsern.“

Perfekte Beschichtung hat Priorität

Der Betrieb von Comitec in Meaux hat eine Fabrikationskapazität von einer Million Gläsern pro Jahr, liefert also an Pouilloux alle Gläser der „Vuarnet“-Brillen, ausgenommen einige Spezialserien, und montiert die Gläser auch in besondere Fassungen.

Eine perfekte Uniformität der aufgebrachten Schichten zu erreichen, ist die permanente Zielsetzung. Dafür stehen zwei halb- und eine vollautomatische Fertigungslinie zur Verfügung, an denen die Gläser gefräst, feingeschliffen, gewaschen und poliert werden. Anschließend werden sie wieder gewaschen und getrocknet. Nach einer visuellen Prüfung werden die runden Gläser automatisch für die vorgesehenen Fassungen in Form geschliffen. Jedes einzelne wird vor der Härtung mit dem „Vuarnet“-Logo graviert. Um alle möglichen Verunreinigungen oder Beschädigungen zu vermeiden, sind bei vielen Verfahrensschritten Ultraschallwäsche und Trocknung zwischengeschaltet. Zum Schluss werden die Gläser durch Aufbringen von dünnen Schichten gefärbt und entspiegelt. Zur optimalen Abstimmung von Glas und Fassung ist Comitec mit Pouilloux in Paris per Computer direkt vernetzt.

Zur Zeit verkauft das Unternehmen über 600.000 Brillen im Jahr, davon 50 Prozent ins Ausland. Mit Blick auf die Zukunft wurde vor zwei Jahren die Mini-Kollektion „Baby Vuarnet“ gestartet, mit der man sich speziell an die Kunden von morgen wendet.