SCHOTT GLASMuseum

Videowände und spannungsgeladene Musik stimmen die Besucher im Eingangsbereich auf den Werkstoff Glas ein. Der Fußboden leuchtet, und der Betrachter scheint auf einer „Ceran“ Kochfläche zu stehen. Im Hintergrund eine Riesensanduhr.
Thomas Gottschau, Journalist, Lebach
Fotos: Ludger Grunwald


Vom Obsidian zum Laserglas

Seit wann gibt es Glas? Die Antwort auf diese und viele andere Fragen zum faszinierenden Werkstoff Glas findet der interessierte Besucher seit dem 1. September 2000 im SCHOTT GLASMuseum in Jena.

Für SCHOTT GLAS hat der Standort historische Bedeutung: Dort, wo Firmengründer Otto SCHOTT 1884 in Jena mit wenigen Mitarbeitern begann, wurde am 1. September 2000 das Museum der Firmengruppe SCHOTT eingeweiht – auf den Tag 116 Jahre nachdem der erste Schmelzofen des Unternehmens unter Feuer gesetzt worden war.

Ein Teil des Gebäudes, in dem sich nun das Museum befindet, gehörte damals zum „Glastechnischen Laboratorium“. Das SCHOTT GLASMuseum steht damit bildlich gesprochen an der Wiege der deutschen Spezialglas-Industrie. Denn dort hat Otto SCHOTT die Grundlagen der modernen Glaswissenschaft und Glastechnologie gelegt.

SCHOTT präsentiert hier eine äußerst interessante Einrichtung. Kein klassisches Museum, kein Traditionskabinett. „Wir wollten ein modernes Museum, das dem Selbstverständnis von SCHOTT entspricht und das einen Spannungsbogen von den Anfängen des Glases über die Meilensteine der Technologie- und Produktgeschichte bis hin zu den aktuellen Innovationen von SCHOTT spannt“, erläutert Dr. Jürgen Steiner, Leiter Corporate Culture und Projektmanager des Museums. Um dieses anspruchsvolle Ziel zu realisieren, beauftragte SCHOTT die Wuppertaler Agentur Panroyal mit der Gesamtkonzeption und Projektkoordination. Panroyal holte den Architekten Torsten Czech (Essen), den Ausstellungsdesigner Frank Joerges (Krefeld) und die Frankfurter Medienexperten von Kaleidomania und Audiomania nach Jena. Gemeinsam schuf das kreative Team ein hochmodernes Museum, in dem neueste Medien und Präsentationstechniken zum Einsatz kommen. Panroyal-Geschäftsführer Norwin Kandera: „Erste Reaktionen von Museumsbesuchern zeigen, dass uns eine gute Symbiose von Inhalten, Architektur, Ausstellungsdesign und Medien gelungen ist.“

Faszination Glas

Mit „Glas hören“ erlebt der Museumsbesucher die akustische Variante des vielseitigen Werkstoffs.
Zahlreiche Präsentationen veranschaulichen den Einsatz von Glas – hier zum Beispiel faseroptische Lichtleiter für Wechselzeichen- signalgeber.
Der erste Blick des Besuchers richtet sich auf einen großen Obsidian; einem natürlichen Glas, das bei einem Vulkanausbruch entstanden ist.

Im Einstimmungsbereich wird der Besucher an zwei Video-Wänden aus zehn Monitoren über die Geschichte des Glases an das Thema herangeführt. Hier tauchen zum ersten Mal die später immer wieder kehrenden Elemente Sand – Feuer – Glas auf. Am Ende der Videosequenz erleuchtet der Fußboden, und der Betrachter scheint auf einer überdimensionalen, heißen „Ceran“ Kochfläche zu stehen. Dramatische Musik lenkt den Blick sodann auf eine plötzlich sichtbare große Sanduhr, konstruiert aus zwei 25-Liter-Laborkolben.

Kleine Sanduhren begegnen dem Besucher im Museum des öfteren. Überall dort, wo Videoclips zu sehen sind, hat er die Wahl: ein Dreh nach links und der Videoclip startet in deutscher Sprache, ein Dreh nach rechts liefert die englische Version. Am Sanddurchlauf kann der Besucher jederzeit die Dauer des Clips ablesen.

Auch alle Exponat- und Bildtexte sowie die Texte im Audio-Führungssystem sind zweisprachig. „Schließlich sind wir ein internationaler Konzern und möchten auch internationales Publikum für das Museum interessieren“, so Dr. Steiner. Mit dem Audio-Guide als Führer kann sich der Besucher auf seine eigene, individuelle Museumsreise begeben: Das handyähnliche Gerät liefert ihm an jeder Station alle Informationen wahlweise auf Deutsch oder Englisch.

Meilensteine der glastechnischen Entwicklung

Informativ und interessant aufbereitet: die maschinellen Formgebungverfahren für Spezialgläser.
Neben Bild-, Video- und Lichtinszenierungen entführen authentische Exponate in die innovative Welt von SCHOTT. Zu den Highlights gehören die von Otto SCHOTT neu entwickelten optischen Gläser, hitzebeständige Glaszylinder, die einst dem Gasglühlicht zum Durchbruch verhalfen und SCHOTT zum industriellen Großbetrieb werden ließen, die berühmte Wagenfeld-Teekanne im Bauhaus-Design, sowie faseroptische Komponenten und Glas-Metall-Verbindungen für Anwendungen in der Elektronik. Zugleich kann sich der Besucher über „Ceran“ Glaskeramik- Kochflächen, die seit 1972 die Küchen in aller Welt erobern, „ZERODUR®“ Glaskeramik für die leistungsfähigsten astronomischen Teleskope sowie Exponate und Informationen zur Kernkompetenz Beschichtungstechnologien informieren. Aber auch ein nachgebildetes Labor des Firmengründers Otto SCHOTT ist zu bewundern.

Innovationen für die Zukunft

Durch eine gelungene Innenarchitektur ist das 400 Quadratmeter große SCHOTT GLASMuseum kompakt und zugleich großzügig gestaltet.
Am Ende des Museumsrundganges erfährt der Besucher, wie sich SCHOTT als innovativer und zukunftsorientierter Technologiekonzern mit Spezialgläsern und anderen High-Tech-Materialien den Herausforderungen und Visionen des dritten Jahrtausends stellt. Etwa mit optischen Materialien, die für die Mikrolithografie bei der Chip-Herstellung verwendet werden. Oder mit dem dünnsten Glas der Welt, das nur 0,03 Millimeter dick ist. Dünngläser werden beispielsweise in Displays von Mobiltelefonen oder Notebooks eingesetzt. Im Mittelpunkt des Bereiches „Innovationen für die Zukunft“ steht eine Laserglas-Statue. Sie symbolisiert die schier unendlichen Möglichkeiten des Werkstoffes Glas. 3.500 solcher Laserglasplatten sollen nämlich im größten Lasersystem der Welt dazu beitragen, Energiegewinnungsprozesse der Sonne auch auf der Erde zu ermöglichen – um damit unerschöpfliche Energien zu gewinnen.
Begegnung mit der Vergangenheit: Jenaer Klassiker für den Haushalt.
Durch moderne Präsentationstechniken ist der Museumsbesuch ein multimediales Erlebnis.
Im Museum sind Produkte von SCHOTT nicht nur in Form von Exponaten zu sehen. Sie werden auch in der Ausstellungstechnik eingesetzt: etwa entspiegelte Gläser „Mirogard“ für Vitrinen und Displaytafeln, eine neuentwickelte und patentierte Langfeldleuchte mit Glasrohrprofilen für die Grundbeleuchtung, Halogenlampenreflektoren für die Exponat- und faseroptische Komponenten für die Vitrinenbeleuchtung.

Museum für jedermann

Blick in die Zukunft mit Innovationen von SCHOTT. Im Mittelpunkt steht die faszinierende Laserglas-Statue: Laserglas wird im größten Laser der Welt zur Energiegewinnung durch Kernfusion eingesetzt.
„Das SCHOTT GLASMuseum ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Unternehmenskultur, sondern auch eine Einrichtung, die einen umfassenden Überblick über die Technologieentwicklung der gesamten Spezialglasindustrie gibt“, erläutert Wolfgang Meyer, als Geschäftsführer der SCHOTT Jenaer Glas GmbH und 1. Vorsitzender des Trägervereins Hausherr des Museums. Die Eröffnung des Museum soll aber erst der Anfang sein, denn das Grundkonzept sieht insgesamt drei Ausbaustufen vor.

Im zweiten Schritt soll die Sanierung der SCHOTT-Villa in Angriff genommen werden, um dort das Lebenswerk von Otto SCHOTT und besondere Aspekte der Firmengeschichte zu würdigen. Und für die dritte Ausbaustufe wurde eine kühne Vision entwickelt: die Präsentation großer historischer Maschinen und anderer überdimensionaler Exponate aus der gesamten SCHOTT Gruppe