Astronomie

Sandra Adams

ROSAT: Methusalem unter den Satelliten

Der deutsche Röntgensatellit ROSAT wurde am 1. 6. 1990 in Betrieb genommen. Sein Spiegelsystem, von Carl Zeiss gebaut, sollte eigentlich nur zwei bis drei Jahre funktionieren, doch noch bis vor wenigen Monaten funkte der Satellit sensationelle Bilder zur Bodenstation.

Die Optik, mit der Röntgenstrahlung ausfindig gemacht wird, ist röhrenförmig. Vier Spiegelschalen aus „ZERODUR®“ Glaskeramik von SCHOTT sind so miteinander verbunden, dass ein genestetes Wolterteleskop gebildet wird. Die Außenflächen der Spiegel wurden abgeätzt, damit sie den Belastungen beim Raketenstart standhalten konnten. Das Spiegelsystem von ROSAT stand bereits vor seiner Inbetriebnahme als genauester Spiegel der Welt im Guiness-Buch der Rekorde. Die Genauigkeit bezieht sich sowohl auf die Spiegeloberfläche als auch auf den Einbau der Schalen.
Für das Spiegelsystem des erfolgreichen Röntgensatelliten ROSAT lieferte SCHOTT in den achtziger Jahren vier Spiegelschalen aus „ZERODUR®“.
ROSAT hat bereits viele Neuentdeckungen gemacht. „Die wertvollsten Bilder hat ROSAT zu der Zeit geliefert, als er gar nicht mehr funktionieren sollte“, so Prof. Joachim Trümper vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching. So funkte der Satellit der Bodenstation eine vorher nie da gewesene Himmelskarte.

Über 100.000 Röntgenquellen machte er aus, die vor ROSAT unbekannt waren. Dank ihm konnten Spuren von Titan 44 in einer Explosionswolke einer Supernova nachgewiesen werden – ein Element, dass nach kosmischen Verhältnissen eine sehr geringe Lebensdauer hat. Spektakulär war auch der Nachweis von Röntgenemissionen bei „Braunen Zwergen“, der erst vor wenigen Jahren entdeckten „L-Klasse“ im Universum.

ROSAT ist nun seit einigen Monaten nicht mehr in Betrieb. Bis zuletzt lieferte die Optik einwandfreie und brillante Bilder. Der Satellit wurde durch das Chandra-Observatorium abgelöst, das ebenfalls mit „ZERODUR®“ Spiegelschalen ausgerüstet ist. Die hochinteressanten Ergebnisse von ROSAT brauchen jedoch noch Jahre, um ausgewertet zu werden.