Rauminstallation

Innenansicht des Körpers: eine Installation mit 4.000 Reagenzgläsern.
Jürgen Breier, SCHOTT GLAS, Mainz

Gläserne Gencodes

Helga Griffiths hat Reagenzgläser und Petrischalen von SCHOTT in eine künstlerische Ebene transformiert.

Viertausend spiralförmig an einem Netz angeordnete Reagenzgläser schweben in einem dunklen Raum. Am Boden steht eine Anreihung von Petrischalen. Schwarzlichtröhren bringen die gelb-grüne Farbe der mit Natriumfluoreszenzlösung befüllten Behältnisse zum Leuchten. Durch die Petrischalen und die transparente Flüssigkeit können Darstellungen des Gencodes der Künstlerin, der sogenannte „genetische Fingerabdruck“, entziffert werden.

Helga Griffiths hat die acht Meter hohe Installation, die jüngst in der Galerie des Kulturvereins Wacker Fabrik (ehemalige Industriehalle bei Darmstadt) zu sehen war, „Identity Analysis“ betitelt. Der Gencode wird als serieller Strichcode dargestellt. Die Körpergestalt, die Fähigkeiten, die Erbkrankheiten des Menschen lagern in diesem Code, dessen vollkommene Entschlüsselung nach Aussagen von Wissenschaftlern bereits absehbar ist. Kommunikationscodes wie die Gebärdensprache, die Brailleschrift, Morsezeichen und Vogelgesang, aber auch die Zeichen der Mode und der Werbung haben Helga Griffiths stets interessiert. „Mit dieser Arbeit dringe ich nun in die menschliche Sphäre ein“, erläutert die Künstlerin.

Der Besucher hat die Möglichkeit, die Installation zu betreten und so selbst zum Teil des Experiments zu werden. Dadurch wird der menschliche Körper als begehbarer Versuchsraum abstrahiert, an dem, in dem und mit dem geforscht wird. Das Glas steht nicht nur symbolisch für den Körper als „transparenten Raum“ oder als „Speicher“ von Informationen – es symbolisiert zugleich die Schönheit und auch die Fragilität des menschlichen Körpers in der technologisierten Welt. Aufgrund der äußerst positiven Resonanz von Publikum und Kunstkritik wird die Rauminstallation auch während der „ART Frankfurt“ 2001 zu sehen sein.