Interaktives Forum

Dr. Gerhard Klaus, Hyalos Glas Konsult,
Oetwil am See/Schweiz


Denkanstösse für Designer

Um Industriedesigner mit den Möglichkeiten und Eigenschaften des Werkstoffs Glas vertraut zu machen, organisierte die Vertriebsgesellschaft SCHOTT Schleiffer in der Schweiz ein Interaktives Forum „Design in Glas“.

Umfangreiche Abklärungen über das „Wie“ und „Was“ gingen der Veranstaltung in der geschichtsträchtigen Jugendstil-Villa „Erlengut“ am Zürichsee voraus, galt es doch, mit Industriedesignern und Architekten ein eigenwilliges Publikum für die Aktion zu gewinnen. Unter den Teilnehmern der Präsident des Schweizerischen Industriedesigner-Verbandes, renommierte Designer, deren Referenzlisten sich wie das Nachschlagewerk der Schweizer Industrie lesen sowie Innenarchitekten mit Projekten für Renommierbauten weltweit agierender Firmen.

Multitalent Glas

Renommierte Schweizer Designer und Architekten informierten sich in stilvollem Ambiente über den Werkstoff Glas.
SCHOTT Spezialglas AG, Standort Grünenplan stellt seit Jahrzehnten flaches und gebogenes Glas für die unterschiedlichsten Industriezweige her. In den letzten Jahren wurde stark in Verfahren für die Nachverarbeitung von flachem Glas investiert und der Grundstein für die Produktion von innovativen Produkten in Technik, Industrie und Wohnen gelegt.

Neben der intensiven Beteiligung von SCHOTT Spezialglas AG, Standort Grünenplan mit Beispielen aus der gesamten breiten Bearbeitungspalette – gesandstrahlte Ganzglastüren, Fusing-Beispiele, Barrentisch, „B 270® Superwite”-Profilstangen, verschmolzenes Farbglas, Glaswaschbecken, plane und gebogene entspiegelte Gläser, gebogenes Milchüberfangglas, gebogenes Dünnglas u.v.a.m. – hatten weitere SCHOTT Unternehmen sowohl Produktspezialisten wie zahlreiche Muster zur Verfügung gestellt: SCHOTT-Rohrglas präsentierte neben der Standardpalette an Spezialglasröhren auch Solarkollektoren und TWD- (Transparente Wärme- Dämmung-) Module. SCHOTT Interactive Glass beeindruckte mit hochtransparenten Glastastaturen, sogenannte Touchscreen, und SCHOTT VTF stellte eine umfassende Palette von Beschichtungen für Backofenscheiben oder Mikrowellengeräte vor. In vier interaktiven Workshops konnte das Wissen über Glas – seine Eigenschaften, Verarbeitungstechniken, Form und Farbe sowie Beschichtung und Funktion – vertieft werden. Mit den Perspektiven des Werkstoffs befasste sich der Vortrag „Glas woher – wohin“ der Designerin Britta Pukall (Milani Design).

Pluspunkte durch Veredelung

Neben der Transparenz und Lichtleitfähigkeit besitzt der Werkstoff Glas weitere interessante Eigenschaften: Die thermische Beständigkeit und mechanische Festigkeit von Glas kann durch Spannungen, die sehr wirkungsvoll und gezielt in das Material eingebracht werden, modifiziert werden. Durch spezielle Nachbehandlung von Flachglas lassen sich beispielsweise Bruchempfindlichkeit und Verletzungsgefahr erheblich herabsetzen. Das Resultat der Veredelung wird als Sicherheitsglas bezeichnet. Die Botschaft an die Teilnehmer war deutlich: Glas erfüllt durch Veredelung vielfältige Ansprüche.

Skurriles durch Fusing

Fusing „zum Anfassen“: das verschmelzbare Farbglas „Artista“ bietet dem Künstler vielfältige Anwendungsmöglichkeiten.
In entsprechende Schutzkleidung gehüllt, kann „Artista“, ein verschmelzbares farbiges Flachglas von SCHOTT Spezialglas AG, Standort Grünenplan, bei 900 Grad am offenen Ofen „gekämmt“ werden. Verschiedenfarbige Glasstreifen auf einer Trägerplatte erzeugen dabei skurrile Muster, eine Technik, die man schon im alten Ägypten an den „Sandkerngefässen“ zur Verzierung anwandte. Ein dreiteiliger Paravent mit „Artista“ dokumentierte bei diesem Workshop auch, wie großflächig die Fusing-Technik angewendet werden kann.

Glas „top in Form“

Eine weitere Station der Workshops präsentierte, wie die zahlreichen Exponate der SCHOTT Spezialglas AG, Standort Grünenplan „in Form gebracht“ worden sind, beispielweise große abgesenkte Schalen, die als Waschbecken eingesetzt werden. Verspiegelte Komponenten, verformtes farbiges Flachglas, gedacht als Ablage in Wohnräumen und Badezimmern, im Fusing-Verfahren entstandene farbenfrohe „Gitterschalen“ vermittelten weitere Glas-Eindrücke.
Durch spezielles Know-how in der Formgebung lässt sich Glas „designen“.
Neben vielfältigen Exponaten aus „B 270® Superwite”-Profilstangen, die – entsprechend beleuchtet – sehr reizvolle architektonische Akzente setzen oder generell in der Lichttechnik Verwendung finden, trafen Solarmodule und Komponenten zur „transparenten Wärmedämmung“ von SCHOTT-Rohrglas beim Publikum auf lebhaftes Interesse. Diese als „Helioran“ bekannten Module bestehen aus einem Rahmen, in den sehr dünnwandige Glasröhrchen mit einer Länge von 80 Millimetern sowie einem Durchmesser von 10 Millimetern gefüllt und fixiert werden. Einsatz finden diese neuartigen Elemente in Solarwänden, Tageslicht-systemen oder als Raumteiler.

Hohe Funktionalität

Glas erhält durch die Beschichtung zusätzliche Funktionen: beispielsweise kann Infrarotstrahlung reflektiert und damit die Wärme wieder zurück in den Backofen gestrahlt werden; Emaillierungen setzen farbige Akzente; bedruckte und hinterleuchtete Glaspaneele zeigen die jeweilige Funktion des Gerätes an (Herd, Kühlschrank, etc.). Dünnglas mit leitfähigen Schichten von SCHOTT Interactive Glass eröffnet als Komponente interaktiver Eingabe- und transparenter Schaltsysteme ein vielfältiges Spektrum von Einsatzmöglichkeiten: vom kleinen Gerät bis zur großen Industrieanlage.

Effiziente Zusammenarbeit gefragt

Produkt- und Design-Entwicklungsprozesse sind komplexer geworden. Sie müssen in immer kürzerer Zeit abgewickelt werden und stehen unter hohem Kostendruck. Das stellt an alle Beteiligten höhere Anforderungen. Mehr als ein Grund, einer effizienten Zusammenarbeit besondere Aufmerksamkeit zu schenken. „SCHOTT möchte in jeder Beziehung für die Belange der Industriedesigner in Sachen Glas der Ratgeber sein“, resümierte Peter Schleiffer. Hilfreich dabei sind Simulationen von Designstudien in Bezug auf Festigkeit und Sicherheit. So verfügt der Spezialglashersteller über die technischen Voraussetzungen, ein komplexes Produkt mit einem Bruchteil des Aufwandes zu optimieren, was einen großen Kundennutzen darstellt. SCHOTT, so Peter Schleiffer, sei jedoch auf Input, auf Ideen und Visionen von Designern angewiesen, um diese mit seinem Materialwissen realisieren zu helfen.