China

In Anyang, 500 Kilometer südlich von Peking, verfügt ACBC mit 13 Fertigungslinien über eine jährliche Produktionskapazität von rund 24 Millionen Bildschirmen und Trichtern.
Anne Hardy, Wissenschaftsjournalistin,
Frankfurt/Main


Kooperation mit Weitblick

Ein Kooperationsvertrag zwischen SCHOTT und dem chinesischen Fernsehglasproduzenten ACBC ermöglicht, auf die wachsende Nachfrage nach großformatigen Fernsehern zu reagieren.

Der erste Fernseher, den sich eine auf dem Land lebende Familie in China zulegt, wird mit zunehmender Wahrscheinlichkeit ein Gerät mit großer Bildschirmdiagonale sein, vor dem zum abendlichen Sehvergnügen auch noch Freunde und Nachbarn Platz finden. Anders als die Bevölkerung in den Städten, die bereits vollständig mit Fernsehgeräten versorgt ist, ist in ländlichen Haushalten der Bedarf nur zu 28 Prozent gedeckt. Während die städtischen Käufer in der Regel mit der Beschaffung der in Mode gekommenen großen Geräte warten, bis ihr altes nicht mehr funktionsfähig ist, wollen Familien auf dem Land schon bei ihrem ersten Fernsehkauf das Erlebnis großer Bilder genießen. Chinas größter Hersteller für Fernsehglas, die Firma ACBC (Henan Anyang Colour Picture Tube Glass Bulb Company Ltd.), errichtete 1997 eine neue Produktionsstätte für große Bildschirmformate. Der Schulterschluss mit SCHOTT, dem europäischen Marktführer auf diesem Gebiet, ermöglicht ACBC einen raschen Anschluss an internationale technische Spitzenleistungen.

Fernsehboom in China

ACBC hat damit die Zeichen der Zeit richtig erkannt, indem es elegante, große Bildschirme in Format 16:9 in seine Produktpalette aufnimmt: Für den chinesischen Markt werden die weltweit größten Wachstumsraten erwartet. „Bis zum Jahr 2005 wird der Bedarf des chinesischen Binnenmarkts sich auf jährlich 40 Millionen Geräte verdoppeln“, berichtet Dr. Max Raster, kaufmännischer Leiter des Geschäftsbereichs Fernsehen bei SCHOTT in Mainz. Derzeit sind von den 20 Millionen verkauften Fernsehgeräten bereits knapp ein Drittel Modelle mit einem großformatigen Bildschirm. Vieles spricht dafür, dass der Markt bereits jetzt unterversorgt ist. Gefragt sind vor allem die High-TechModelle der großen japanischen, koreanischen und europäischen Röhrenhersteller, die alle auch mit Produktions-Joint- Ventures in China präsent sind.

Pluspunkte durch Zusammenarbeit

„Learning by doing“ am Fließband. Techniker von ACBC und SCHOTT bei der visuellen Qualitätskontrolle von Fernsehbildschirmen.
Aufgrund dieser Nachfrage hat ACBC in Anyang, 500 Kilometer südlich von Peking, frühzeitig gehandelt. Das noch junge Unternehmen zählt mit 3.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von umgerechnet 480 Millionen DM in 1998 zu den Top-300-Firmen in China. Innerhalb von neun Jahren hat ACBC 13 Fertigungslinien aufgebaut, mit denen jährlich etwa 24 Millionen Bildschirme und Trichter produziert werden können. SCHOTT blickt auf eine lange Erfahrung bei der Produktion von Fernsehglas zurück. Bereits 1936 stellte das Unternehmen die ersten Fernsehglaskolben her. Heute ist der Glasspezialist dank seines Know-hows in Europa marktführend für das Produktspektrum Large und Very Large Size (66–86 Zentimeter Bildschirmdiagonale). Die Jahresproduktion von SCHOTT liegt bei etwa 25 Millionen Fernsehglasteilen, wobei die Anzahl der Trichter überwiegt.

Die Kooperation zwischen ACBC und SCHOTT bietet für beide Unternehmen viele Vorteile. SCHOTT kann Schirme von ACBC beziehen, um sie zusammen mit den Trichtern aus Mainz und dem tschechischen Tochterunternehmen STV Glass zu verkaufen. Damit wird dem Wunsch der Bildröhrenhersteller nach Belieferung von Sets (Bildschirmen und Trichtern) entsprochen. Es handelt sich dabei überwiegend um kleine Formate, für die die Schirme seit Jahren in Deutschland aus Kostengründen nicht mehr hergestellt werden.

Andererseits wird SCHOTT, sobald in China die notwendigen Produktions- und Qualitätsanforderungen für große Schirme erfüllt werden können, Trichter zur Ergänzung nach China liefern.

Erfolge gemeinsam sichern

Die Zusammenarbeit bei der Produktion großer Bildschirme ist Mitte 1999 in die aktive Phase getreten. Mit zunehmender Größe des Bildschirms hängt die Glasverarbeitung immer empfindlicher von der Prozessführung ab. Der Fertigungsprozess von ACBC wurde mit Hilfe moderner Computersimulationen in Mainz nachgebildet, um anhand von Testläufen am Rechner Verbesserungsmöglichkeiten zu ermitteln. Gemeinsam erarbeitete man einen detaillierten Maßnahmenkatalog, in dem Richtlinien für die gesamte Prozessführung und Qualitätssicherung festgelegt wurden. Dank einer Anpassung der technischen Ausrüstung und zusätzlich eingeführten Regelkreisen, die bei Störungen zügig für Abhilfe sorgen, ließ sich der Fertigungsprozess stabilisieren und effizienter gestalten. Im Anschluss daran wurden chinesische Techniker in Mainz geschult, um durch Erfahrungsaustausch den gemeinsamen Erfolg zu sichern.


[Mehr über TV-Glas von SCHOTT] | [Ihr Ansprechpartner Timm Pollak]
[Download als Word / Acrobat]