Der schwedische Sonnenforscher Professor Göran Scharmer auf der Plattform des 17 Meter hohen Teleskopturms.
SST: Sonnenflecken im Visier

Die königlich schwedische Akademie der Wissenschaften ist wegen der Vergabe des Nobelpreises weltweit bekannt. Zu ihr gehören aber auch sieben wissenschaftliche Institute, darunter das für Sonnenphysik. Der Institutsleiter, Professor Göran Scharmer, hat das optische und mechanische Design des schwedischen Sonnenteleskops entworfen und war maßgeblich an der Entwicklung der adaptiven Optik beteiligt.

Herr Professor Scharmer, warum betreibt Schweden ein Sonnenteleskop auf La Palma?

Prof. Scharmer: Das ist eine längere Geschichte. Bereits in den 50er Jahren hatte Schweden ein Sonnenteleskop auf Capri, Italien. Etwa 1970 wurde dann – zusammen mit britischen und spanischen Astronomen – ein Platz mit besseren Konditionen gesucht. Das Ergebnis war La Palma, das ist einer der besten Standorte für Sonnenteleskope überhaupt. Das schwedische Observatorium zog also von Capri nach La Palma, und schon in den 80ern wurde dort ein 0,5-Meter-Teleskop gebaut, der Vorgänger des jetzigen 1-Meter-Teleskops. Die Planung des neuen 1-Meter-Teleskops begann 1995, als klar war, dass eine adaptive Optik für ein Sonnenteleskop realisierbar ist.

Das schwedische 1-Meter-Teleskop liefert derzeit die weltweit besten Bilder. Wer darf es denn für Forschungen benutzen?

Prof. Scharmer: Da es ein schwedisches Teleskop ist, wird es natürlich vor allem von Astronomen des schwedischen Instituts für Solarphysik genutzt. Wir haben jedoch zwei Partner: das Institut für Astrophysik in Oslo, Norwegen und die US-Firma Lockheed Martin. Beide haben sich mit jeweils 10% an den Kosten beteiligt und bekommen nun auch 10% der Beobachtungszeit. Außerdem gab es noch einen Zuschuss von der EU, so dass ein kleiner Teil der Beobachtungszeit an europäische Astronomen geht.

Welche Untersuchungen planen Sie nun als nächstes?

Prof. Scharmer: Wir wollen das Magnetfeld der Sonne weiter untersuchen, insbesondere die Sonnenflecken. Es gibt da noch viele ungelöste Fragen, beispielsweise: Was haben die dunklen Kerne in den Filamenten genau zu bedeuten?

Können Sie aus Ihren Erkenntnissen Schlüsse auf die Auswirkungen auf das Erdklima ziehen?

Prof. Scharmer: Bis jetzt noch nicht wirklich. Vielleicht in 10 bis 20 Jahren.