St. Moritz

Seit Sommeranfang 2003 ist auch die Piz Nair-Talstation mit einer neuen Photovoltaik-Anlage in die „Clean Energy Tour St. Moritz“ integriert.
Christine Fuhr, Mainz

Saubere Energie auf dem Dach Europas

Der weltbekannte Tourismus- und Wintersportort St. Moritz im schweizerischen Engadin will mit einem ambitiösen Energieprojekt Europas höchstgelegene Energiestadt werden.

Tag und Ort hätten besser nicht gewählt werden können: 21. Juni 2003, Sommeranfang, längster Tag des Jahres und das Engadin, wo die Sonne an durchschnittlich 322 Tagen im Jahr scheint... An der Piz Nair-Talstation in St. Moritz wird eine Photovoltaik-Anlage in Betrieb genommen und damit die „Clean Energy Tour St. Moritz – Piz Nair“ offiziell eröffnet. Dieses Etappenziel ist Teil des Gesamtenergieprojektes „Clean Energy St. Moritz/Engadin“, das zwischen 1.770 m und 3.057 m. ü. M. erneuerbare Energien aus Wasser, Sonne, Wind und Biogas fördert sowie die Energieeffizienz der Ferienregion St. Moritz steigern soll. Das Projekt wird von Projektpaten, der öffentlichen Hand, der Privatwirtschaft und Energielieferanten finanziert. St. Moritz will ein Zeichen setzen für die Natur und eine saubere Umwelt. „Denn wir wissen“, so gab die schweizerische Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in ihrer Einweihungsrede zu Bedenken, „die Zeit drängt: Der Energieverbrauch steigt und leider nach wie vor auch der Ausstoß von Treibhausgasen durch die Industrieländer – und zwar in Besorgnis erregendem Maße.“

Solarenergie mit drei Beispielen vertreten

Festlicher Rahmen mit Prominenz: Die schweizerische Bundesrätin Micheline Calm-Rey eröffnete offiziell die „Clean Energy Tour – Piz Nair“.
„Die ,Clean Energy Tour’ ist ein einmaliges Energie-, Klima- und Naturerlebnis“, erklärt Projektleiter Willy Ziltener. Basis des Energie-und Umweltlehrpfads ist das älteste Elektrizitätswerk der Schweiz, unterhalb des St. Moritzersees. Die Tour führt per Drahtseilbahn und Luftseilbahn über die Bergstationen Chantarella und Corviglia auf den Piz Nair. Der Einsatz der Solarenergie wird dokumentiert durch 162 Solarpanels entlang der Bahntrasse der Corviglia-Bahn sowie die Photovoltaikanlage der Piz Nair-Bergstation, die mit einer Jahresproduktion von zirka 12.000 kWh die höchstgelegene dieser Größe in Europa ist.

Und jetzt ganz neu: Ein interessanter Blick eröffnet sich von dem Nobelrestaurant auf Corviglia, in dem schon Top-Stars wie Roger Moore Gast waren: In 50 Meter Entfernung wurde hier, auf der Südseite der Piz Nair-Talstation, eine neue Photovoltaikanlage der „Clean Energy Tour“ errichtet. Ihre Leistung entspricht dem jährlichen Energiebedarf von drei Haushalten in einer westlichen Industrienation und wurde von RWE SCHOTT Solar GmbH, ein Joint Venture von RWE Solutions, Frankfurt/M. sowie dem Technologiekonzern SCHOTT, innerhalb von nur zwei Monaten realisiert.

Dr. Martin Zimmermann, Vertriebsleiter Photovoltaik bei SCHOTT Schweiz, unterstrich in seiner Ansprache die Bedeutung der Sonnenenergie zur Ressourcenschonung. „RWE SCHOTT Solar setzt alles daran, die Wirtschaftlichkeit dieser regenerativen Energiequelle zu forcieren. Damit schützen wir nicht nur die Umwelt, sondern schaffen mittelfristig einen neuen Wirtschaftszweig und damit Arbeitsplätze.“

Neben dem Schwerpunktthema „Solarenergie“ weist die Leichtwindanlage auf dem Munt da San Murezzan symbolisch auf die Nutzung der Windkraft hin. Ein weiteres Beispiel für erneuerbare Energien ist die ARA Celerina, eine Anlage zur Herstellung von Biogas. Der von allen Anlagen generierte Strom wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

Die erlebnisreiche und informative Tour endet, nachdem sie über attraktive Wanderwege mit Panoramablick zurück nach St. Moritz führt, am Schiefen Turm, dem Wahrzeichen des Orts, wo 1878 das erste elektrische Licht der Schweiz – mit Strom aus Wasserkraft – brannte.

Potenzial und Umwelt

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen stellt nach Meinung des Vereins Clean Energy St. Moritz „... tatsächlich die ökologisch sinnvollste Art der Stromerzeugung dar“. Allerdings, so der Verein, sollte man bedenken, dass auch dieser „grüne“ Strom überlegt und effizient genutzt werden sollte. Der Ausschöpfung erneuerbarer Energien seien Grenzen gesetzt. Es könnten nicht sämtliche Täler überflutet und Bäche trockengelegt oder alle windstarken Landschaften mit Windmühlen überzogen werden.

Eine nachhaltige Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen bedingt Rücksichtsnahme auf die Landschaft sowie die besonderen lokalen und regionalen ökologischen Verhältnisse. Dass dies möglich ist, zeigt die Region St. Moritz; bei einzelnen Wasserkraftwerken werden die international strengsten Standards bezüglich ökologisch nachhaltiger Stromproduktion erfüllt. „Für die nachhaltige Energieerzeugung ist die Symbol-, Demonstrations- und Kommunikationswirkung der einzelnen Anlagen bei der ,Clean Energy Tour’ wichtig“, meint Dr. Hanspeter Danuser, Kurdirektor von St. Moritz. „Sie sorgen für Bekanntheit, Akzeptanz, Sympathie und Goodwill, werben für saubere Energie und machen sie chic und trendy.“