Albertina

Das Palais der „Albertina“: die habsburgischen Prunkräume wurden originalgetreu restauriert.
Einen reflexions- freien Blick auf Munchs „Der Schrei“ ermöglicht eine Verglasung mit „Mirogard Protect“.
Inge Keller-Hoehl, Wien

Marmor, Gold und „Mirogard“

Die Neueröffnung des berühmten Wiener Museums „Albertina“ war für den Alpenstaat das Medienereignis des Jahres. Königin Sonja von Norwegen und der österreichische Bundespräsident Thomas Klestil präsentierten das um- gebaute Museum nach fast 10-jähriger Schließung. Ein bedeutender Teil der Exponate ist mit entspiegeltem Schutzglas Schott „Mirogard“ verglast.

Dieser Mann ist gefragt: Andreas Gruber, Fotorestaurator. Durch seine Hände wanderten die Exponate der neuen Fotoausstellung des Wiener Museums „Albertina“: „Auge und Apparat. Eine Geschichte der Fotografie.“ Rund 300 Fotos der neu gegründeten Fotosammlung mussten bis zur Eröffnung gerahmt und mit entspiegeltem „Mirogard“ versehen werden. „Viele Exponate waren über Jahrzehnte Staub und Schmutz ausgesetzt“, berichtet Gruber. Deswegen wurden die Fotografien vor der Ausstellung behutsam gesäubert, Knicke und Risse wurden gesichert. Manche Objekte mussten einer aufwändigen Restaurierung unterzogen werden.

Ein Glas für alle Fälle

In die rund 100 Holzrahmen und 200 Alurahmen passte Einrahmer Theobald Wirth das Glas ein. Eigenhändig vermaß er all die Fotografien, stellte Passepartouts her und schnitt „Mirogard“ zu. Gruber setzte danach die Fotos vorsichtig in die vorbereiteten Rahmen ein. Für den Restaurator geht es bei der Wahl des Glases um eine Gesamtabwägung: Wie dick ist ein Glas? Wie schwer ist es? Wie groß ist das Bild? Kann der Rahmen das Gewicht des Glases halten? Für welche Glasdicke passt der Rahmen noch? Wie gut muss der UV-Schutz eines Glases sein? Wie wichtig ist Splitterschutz? Schließlich kamen alle drei Produkte der „Mirogard“-Familie zum Einsatz.

Doch nicht nur bei der Fotoausstellung setzte man auf „Mirogard“. In diesem Museum werden auch 60 Gemälde von Edvard Munch gezeigt. Darunter sein weltberühmtes Werk „Der Schrei“. Die Munch-Ausstellung war die bisher größte außerhalb Norwegens mit 30 internationalen Leihgebern.

Beeindruckende Kunstsammlung

Mit rund einer Million Druckgrafiken und 65.000 Handzeichnungen besitzt die 2003 nach Renovierung und Umbau wieder eröffnete „Albertina“ die weltweit bedeutendste Grafiksammlung.
Der eigene Bestand der „Albertina“ ist ein verborgener Schatz, der am Tageslicht zerfallen würde: Mit etwa einer Million Druckgrafiken und 65.000 Handzeichnungen besitzt sie die bedeutendste Grafiksammlung der Welt. Im 20. Jahrhundert zum Beispiel zeichneten die „Albertina“ große Bestände von Schiele, Klimt, Kokoschka oder Picasso aus. Hinzu kommen die Foto- und die Architektursammlung. Fast alle Exponate, zu denen auch der weltberühmte Hase von Albrecht Dürer zählt, müssen vor zerstörerischem Licht geschützt werden und können immer nur kurz der Öffentlichkeit gezeigt werden. So kommt es, dass die „Albertina“ keine Dauer-Ausstellung hat. Jährlich sind etwa zwölf temporäre Ausstellungen geplant: mit eigenen Werken und weltweiten Leihgaben.

Ein Museum der Superlative

Seit dem Umbau ist die unterirdische „Albertina“ grösser als die oberirdische. Bis 24 Meter tief hat man sich in die Erde gegraben. Ein 3.500 Quadratmeter großer Tiefenspeicher ist entstanden, aber auch eine unter der Bastei gelegene Ausstellungshalle. Ebenfalls unterirdisch: ein viergeschossiges Studiengebäude. Dazu kommt die Architektursammlung mit 25.000 Objekten, sowie die neu akquirierte Fotosammlung mit etwa 75.000 Fotografien.

Mit 100 Millionen Euro – ein beachtlicher Teil davon stammt von Sponsoren – ist Österreichs modernstes Museum entstanden. Zu einem Schmuckstück ist das Palais der „Albertina“ geworden. Erstmals können 18 habsburgische Prunkräume besichtigt werden, die originalgetreu renoviert wurden. Dabei hat man Leisten von etwa 20 Kilometer Länge neu vergoldet und viel weißen Marmor verlegt. Die historischen Muster und Farben der Seidentapete ließ man bei Rubelli in Venedig sogar nachweben.

Für den Restaurator Andreas Gruber geht mit dem Abschluss des Projektes eine arbeitsreiche Zeit zu Ende. Aber ruhigere Tage sind für den Fachmann rar, es warten schon die nächsten Projekte. Auch in der „Albertina“ ist von Ruhe nicht viel zu spüren. Der Besucheransturm übersteigt alle Erwartungen.