UBS-Tower

Fünfzig Stockwerke hoch ragt das als One North Wacker bekannte Gebäude der Union Bank of Switzerland in die Skyline von Chicago.
Gerrit Prinssen, Mareike Rüßmann, Hannover

Wenn innen und außen
eins werden


Der UBS-Tower in Chicago prägt die Skyline der berühmten Stadt des „Mittleren Westens“ der USA entscheidend mit.

Mit 199 Metern und 50 Stockwerken ist der 2001 fertiggestellte UBS-Tower, auch als One North Wacker bekannt, eines der architektonisch beeindruckendsten Gebäude. Der Architekt Steve Nilles von Lohan Associates hat einen baulichen Riegel entworfen, der sich an seiner Ostfassade zweimal staffelt und dessen elegante Details schlüssig umgesetzt wurden.

Transparenz als Philosophie

Gemäß der UBS-Unternehmensphilosophie, das Streben nach höchster Transparenz, wurde der gesamte 13 Meter hohe Lobbybereich mit „Amiran“ ausgestattet. Das im Tauchverfahren beidseitig entspiegelte Glas reduziert die Reflexion gegenüber herkömmlichem Glas um das Achtfache. Die Restreflexion von zirka einem Prozent macht die Glaswand nahezu unsichtbar. Dadurch entsteht eine einladende Atmosphäre. Der Eingangsbereich ist selbst bei bedecktem Himmel hell und freundlich. Er soll sich offen für die vielen Fußgänger auf der Plaza des UBS-Towers darstellen. Der Vorteil: der Kunde betritt das Gebäude ohne Hemmschwelle.

Stahlseilnetzwerk hält Fassade

Spiegelfrei verglast ist die 13 Meter hohe Lobby.
Überzeugend ist auch die innovative, in den USA erstmals angewandte Glas-Stahlkonstruktion der gesamten Lobbyfassade. Das einzige vergleichbare Gebäude mit einer solchen Konstruktion ist das Kempinski Hotel München von Helmut Jahn. Die Glasscheiben in der Größe von 153 x 153 Zentimeter – insgesamt rund 900 Quadratmeter – sind in einem Netz von Drahtseilen eingespannt. Kleine runde Halterungen an den Eckstoßpunkten der einzelnen Glasscheiben verbinden diese mit den vorgespannten Drahtseilen. Von diesem Knotenpunkt aus fächern sich die innenliegenden Seile horizontal und vertikal deckungsgleich mit den Glasfugen. Diese sind mit einer speziellen Silikonmasse verfugt.

Das Ziel dieser Konstruktion ist es, eine möglichst durchgängig erscheinende Glasfassade ohne störende Tragkonstruktionen zu erhalten. Das Bild eines transparenten, schwebenden „Glasvorhanges“ entsteht. Der Architekt Steve Nilles vergleicht diese Art der Konstruktion mit einem Tennisschläger. Wenn ein Tennisball gegen einen Schläger trifft, verformt sich die Bespannung. Diese begibt sich wieder in ihre Ausgangsposition, die vom Rahmen definiert ist. Die Spannung in der Glasfassade, beispielsweise durch die Windlast verursacht, wird an die innenliegenden Drahtseile abgegeben und durch diese gleichmäßig verteilt.

Geburtsort der Wolkenkratzer

An den Scheibenecken befinden sich runde Metallhalterungen. Sie sind zugleich Knotenpunkte für das Netz aus Stahlseilen und stabilisieren die Glasfassade.
Der als Bürogebäude genutzte One North Wacker steht im Stadtteil Loop von Downtown Chicago. Das Viertel wird geprägt von Banken und Gerichtsgebäuden aus vielen verschiedenen Epochen. Chicago ist der Geburtsort der Wolkenkratzer. Hier steht auch der höchste Skyscraper der USA, der Sears Tower mit 442 Meter aus dem Jahr 1974. Das älteste noch existierende Hochhaus ist „The Rookery“ aus dem Jahr 1880, 55 Meter hoch, von dem bekannten Architekten Frank Lloyd Wright. Zusammen bilden sie alle die berühmte Skyline von Chicago.