Hausgeräteindustrie

Mit Berührungssensoren von SCHOTT Gemtron lassen sich die einzelnen Temperaturzonen des amerikanischen Jenn-Air-Kühlschranks individuell einstellen. Insgesamt hat SCHOTT Gemtron Corporation 21 Komponenten zum Innenleben dieses Luxus-Kühlmöbels des US-Geräteherstellers Maytag beigesteuert.
Thilo Horvatitsch, Mainz

Starkes Standbein

SCHOTT Gemtron Corporation, ein Joint Venture mit Mehrheitsbeteiligung von SCHOTT, ist ein führender Zulieferer und Entwicklungspartner der nordamerikanischen Hausgeräteindustrie.

Ein weißes Blatt Papier. Symbolisch betrachtet sah so die Projekt-Herausforderung aus, vor die der renommierte US-Hausgerätehersteller Maytag im Jahr 1998 seinen langjährigen Zulieferer stellte. Maytag bat SCHOTT Gemtron, Komponenten für einen innovativen Einbau-Kühlschrank der Luxusklasse herzustellen. Eine Aufgabe ganz nach dem Geschmack des diversifizierten Unternehmens mit Hauptsitz in Sweetwater im US-Bundesstaat Tennessee. Denn dafür eignen sich viele der Kompetenzen, die SCHOTT Gemtron heute an sieben Standorten in seinen Marktregionen USA (Sweetwater, Vincennes, Holland, Wheaton, Madisonville), Kanada (Midland) und Mexiko (San Luis Potosi) aufzuweisen hat.

Schlüsselelement der umfassenden SCHOTT Gemtron-Lösung für den Maytag-Kühlschrank ist das innovative Bedienfeld. Es besteht aus einem bedruckten und mit Kunststoff umspritzten Frontglas sowie einem dahinter liegenden Eingabefeld aus transparentem Kunststoffmaterial mit berührungsaktiven Zellen. „Wir waren die Ersten im US- Markt, die diese neue Art elektronischer Berührungssensoren für Bedienfelder in Kühlschränken einführten“, sagt Gregg Schreiber, Sales & Marketing Director von TouchSensor Technologies in Wheaton, Illinois.

Diese Sensortechnologie, die sich nicht nur in der Hausgeräteindustrie einsetzen lässt, bietet eine Fülle von Vorteilen. Kühlschrank-Einstellungen, wie etwa die Temperatur einzelner Lagerzonen im Inneren, lassen sich einfach regeln. Berührt der Benutzer die Bedienfelder, bestätigt eine blaue Hintergrundbeleuchtung den Kontakt. Die Funktionen können auf die gewünschte taktile Sensibilität eingestellt werden, so dass die intelligente Elektronik zum Beispiel nicht reagiert, wenn das Bedienfeld gereinigt wird.

Weil der TouchSensor-Chip keine Software erfordert, lässt sich das gesamte Modul bei Kunden schnell und kostengünstig integrieren. Die innovative Elektronik ist jedoch nur ein Aspekt: Insgesamt enthält der Luxus-Kühlschrank 21 von SCHOTT Gemtron produzierte Komponenten, die zum Teil im Rahmen dieses Kundenprojektes entwickelt wurden.

Sechs Kompetenzfelder

Gegründet wurde SCHOTT Gemtron 1973 in Sweetwater, US-Bundesstaat Tennessee, als Hersteller von Backofenbedienblenden. Zehn Jahre später übernahm der US-Glasspezialist AFG Glass das Unternehmen. SCHOTT erwarb 1989 mit 51 Prozent der Anteile die Mehrheit. „SCHOTT Gemtron ist unser starkes Standbein im nordamerikanischen Flachglasmarkt und wie das dortige Geschäft mit „Ceran“ Glaskeramik-Kochflächen voll in das globale Key-Account-Management des Business Segments „Home Tech“ integriert. Die Kunden profitieren daher von den Synergieeffekten eines global agierenden Technologiekonzerns“, erklärt Dr. Hans-Joachim Konz, Leiter der Strategic Business Unit „Home Tech“.

Diese Allianz forcierte Erfolge: SCHOTT Gemtron wuchs in der letzten Dekade um durchschnittlich neun Prozent pro Jahr und macht heute rund 200 Millionen US-Dollar Jahresumsatz. Insgesamt 1.325 Mitarbeiter arbeiten in sechs Kompetenzfeldern: in traditionellen Bereichen – Verarbeitung von gebogenen und flachen Gläsern sowie Systeme aus umspritztem Kunststoff – sowie den wachsenden Sektoren Metallverarbeitung, Elektronik, Glasbeschichtungen und Systementwicklung. Damit bedient SCHOTT Gemtron seinen Hauptmarkt, die Hausgeräteindustrie Nordamerikas, aber auch die Möbel- und Sanitärindustrie sowie andere Teilmärkte für Elektronik-Anwendungen.

„Unsere Know-how-Palette ist einzigartig und erlaubt, unterschiedlichste Kundenwünsche zu erfüllen. Sie ist auch Quelle für Innovationen und Effizienzsteigerungen, die mehr Kundenbindung, Wettbewerbsfähigkeit und neue Märkte schaffen“, so SCHOTT Gemtron-President Doug Roberts zur Unternehmensphilosophie. Der Erfolg des Unternehmens basiere nicht zuletzt auch auf einem fairen, respektvollen und konstruktiven Umgang mit Kunden, Anteilseignern, Zulieferern und Mitarbeitern. „Die Zufriedenheit dieser Gruppen steht für uns im Mittelpunkt“, so Roberts. So profitieren beispielsweise die Mitarbeiter bereits seit Firmengründung über Gewinnbeteiligungsprogramme vom Unternehmenserfolg.

100-Millionen-Grenze überschritten

Schon über 100 Millionen kunststoffumspritzte Einlegeböden hat SCHOTT Gemtron Corporation produziert.
Beispiel umspritzte Kühlschrank-Einlegeböden: Das SCHOTT Gemtron-Produkt integrierte auf neue Weise bis dahin getrennt gefertigte Komponenten aus Glas, Metall und Kunststoff. Mitte der 90er Jahre bedeutete dies einen gewaltigen Fortschritt im amerikanischen Kühlschrank-Design. Das innovative Modul bot viele Vorteile: Überlaufschutz, einfache Reinigung sowie Zeit- und Geldersparnis in der Montage.

Heute finden sich integrierte Einlegeböden in 40 Prozent aller US-Kühlschränke. SCHOTT Gemtron ist damit Marktführer in den USA und liefert an Markengerätehersteller wie Maytag, Whirlpool und General Electric. Im vergangenen Jahr fertigte man den 100-millionsten umspritzten Kühlschrank-Einlegeboden.

Die Flexibilität im Umgang mit neuen material-, design- und produktionstechnischen Herausforderungen half SCHOTT Gemtron in vielen Projekten, in der Entwicklung und Herstellung von Bedienblenden aus gebogenem Glas, Gerätefronten aus Glas und Edelstahl oder beidseitig beschichteten Innenscheiben für selbstreinigende Backöfen.

Design-Preis für Isolierglasfront

So arbeitete SCHOTT Gemtron Holland, Michigan, für eine neue Produktlösung des Herstellers für Weinkühlschränke U-Line zum ersten Mal mit Isolierglas. Das Resultat: Die Glasfront erhielt eine Design-Auszeichnung von dem renommierten Fachmagazin „Modern Plastics“.

Bei SCHOTT Gemtron sieht man die Zukunft verstärkt in der Entwicklung von Systemen. „Ein erfolgreiches Produkt ist mehr als die Summe seiner Teile. Wir wollen vermehrt daran arbeiten, die Produkte unserer Kunden durch deren Zusammenarbeit mit uns wie auch durch die Entwicklung modularer und wertsteigernder Systeme auf eine höhere Stufe zu heben“, erklärt Mark Delp, Executive Vice President.

Zu dieser Strategie gehören neue Allianzen sowie die Erweiterung der Kompetenzen. Im zukunftsträchtigen Feld Metall- und Edelstahlverarbeitung etwa durch den Erwerb von Know-how in der Elektro- und Pulverbeschichtung. SCHOTT Gemtron kann seinen Kunden nun Produkte wie zum Beispiel umspritzte Kühlschrank-Einlegeböden, die Metallkomponenten enthalten, aus einer Hand anbieten.