Sammlung Rosengart

Inge Keller-Hoehl, Feldbach/Schweiz

Wie Miró zu „Mirogard“ kam

Luzern hat ein neues Museum: die Sammlung Rosengart. Rund 200 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von herausragenden Malern des Impressionismus und der klassischen Moderne sind dort zu bestaunen. Geschützt werden die Werke von entspiegeltem „Mirogard“.

Bis vor kurzem war Angela Rosengart in der schweizer Öffentlichkeit eine Unbekannte. Die 70-jährige Kunsthändlerin führte ein unauffälliges Leben in Luzern.

Das hat sich dieses Frühjahr schlagartig geändert. Aus der diskreten Galeristin wurde ein Liebling der Medien. Der Grund: In Luzern öffnete ein Museum mit ihrer privaten Kunstsammlung die Tore. Einer Sammlung, die Weltrang hat. Das Parterre mit 1.300 Quadratmetern Fläche ist für Picasso reserviert. 33 Gemälde und 15 Zeichnungen hängen dort. Im Untergeschoss ist eine Klee-Ausstellung zu bestaunen und im ersten Stock sind Spitzenwerke von Miró, Cézanne, Monet, Renoir, Bonnard, Modigliani, Braque, Kandinsky und Leger untergebracht.

Freundschaft mit Picasso

„Mein zweites Leben als Star hat begonnen“, sagt Angela Rosengart mit spitzbübischem Lächeln angesichts der vielen Interviews, die sie in den vergangenen Monaten gegeben hat. Sie führt die Besucher durch die Räume des Museums. Man spürt: Das ist ihr Reich. Erinnerungen werden wach. Mit Picasso verband sie eine Freundschaft. Zusammen mit ihrem Vater, Siegfried Rosengart, besuchte sie ihn mehr als 50-mal. Fünfmal hat der Spanier Angela porträtiert. Die Rosengarts waren unter den ganz wenigen, die über Jahrzehnte einen offenen Zugang zu Picasso und seinem Werk hatten.

Kaum sichtbar, aber funktional

Hochkarätige Kunst verlangt hochwertigen und wirkungsvollen Schutz. Und so entschied sich die Galeristin für „Mirogard“, ein entspiegeltes Weißglas von SCHOTT Spezialglas AG, Standort Grünenplan. Einrahmer Jürg Willen, durch dessen Hände die Meisterwerke gingen, beobachtet im Museum immer wieder Besucher, die auf die Bilder fassen, um zu ergründen, ob sich Glas darauf befindet. Und Angela Rosengart, die beim Rahmen tatkräftig half, musste auf die Bilder klopfen, um sicher zu sein, dass sie schon verglast waren. Begeistert ist sie von einem Klee-Bild. Bisher hinter nicht entspiegeltem Weißglas, strahlt es jetzt wieder in „lebendigen Farben“ durch „Mirogard“.

Fast täglich durchstreift sie die Museumsräume. „Meine Wohnung ist jetzt leer“, gesteht sie, „dafür komme ich nun hierher.“ Mit ihren lebhaften Augen, ihrer jugendlichen Ausstrahlung und Energie wirkt Angela Rosengart viel jünger als sie eigentlich ist. Auch im Alltag lässt sie sich nicht von ihrem fortgeschrittenen Alter beeindrucken: Sie arbeitet wie eh und je als Kunsthändlerin, besucht Auktionen, empfängt Kunden, erledigt Korrespondenz. Wenn die Journalisten sie arbeiten lassen.