Bordküchen

Das extrem biegsame Glasfaserkabel ist leicht einzubauen und transportiert Licht auch an Stellen, die bisher nicht beleuchtet werden konnten.
Jürgen Breier, SCHOTT GLAS

Visitenkarte über den Wolken

Bordküchen aus Aluminium für Passagierflugzeuge gehören zu den Spezialitäten der Bucher Leichtbau AG. Teil des innovativen Konzepts ist die Beleuchtung mit Glasfasern.

So lieben es die Passagiere: im Flugzeug Platz nehmen, abheben und genießen. Dazu gehören ein guter Service und eine leichte, leckere Kost. Der Bordküche, in der Fachsprache Galley genannt, kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Die Fluggesellschaften legen daher bei ihrer Kaufentscheidung besonderen Wert darauf, dass die Küchen langlebig, wartungsfreundlich und funktional sind. Schließlich sollen die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter einen Arbeitsplatz vorfinden, der es ihnen erlaubt, die Aufmerksamkeit auf den Gast zu konzentrieren.

„Bordküchen von Bucher Leichtbau sind Visitenkarten für Airlines“. Auf diese einprägsame Formel verdichtet Chief Executive Officer Daniel Mettler den Anspruch des in Fällanden bei Zürich ansässigen Unternehmens. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Bei Airbus Industries führen die Schweizer den Status eines bevorzugten Lieferanten und auch der US-amerikanische Flugzeugbauer Boeing gehört seit langem zu den Kunden. Der modulare Aufbau, den Bucher-Küchen bieten, lässt viel Spielraum für individuelle Einbauwünsche im Flugzeug und unterschiedliche Service-Konzepte der Airlines. Bucher hat im Spitzenjahr 2000 mehr als 400 Küchen-Einheiten produziert und ausgeliefert.
Daniel Mettler, Geschäftsführer der Bucher Leichtbau AG, setzt bei Flugzeug- küchen auf faser- optische Be- leuchtung von SCHOTT.
„Starlight“ Flugzeugküchen von Bucher sind Visitenkarten der Airlines.
Fliegen ohne zusätzliches Gewicht

Firmengründer Heinrich Bucher hat vor rund 25 Jahren mit dem Bau von Bordküchen für Flugzeuge begonnen. Aber erst mit der Spezialisierung auf Aluminium als bevorzugten Werkstoff konnte ein einzigartiges konstruktives Prinzip realisiert werden. Fliegen ohne zusätzliches Gewicht, aber mit mehr Qualität und Ergonomie lautet das Produktionsziel. Bucher bietet heute mit der „Starlight“-Bordküche eine Alternative zur so genannten Sandwich-Bauweise, wo wabenförmige Elemente den Eindruck von Leichtigkeit erwecken, aber dem harten Alltagseinsatz oftmals nicht ausreichend standhalten. Sandwich-Materialien setzt Bucher nur dort ein, wo die Gefahr einer Beschädigung praktisch ausgeschlossen ist.

Basismaterial für „Starlight“ sind ein besonders stabiler Profilrahmen aus Aluminium und 1,1 Millimeter dünne, korrosionsfeste Aluminiumbleche mit einem Gewicht von 2,7 Kilogramm pro Quadratmeter. So wird jedes unnötige Gramm vermieden. CNC-gesteuerte Bearbeitungsmaschinen sorgen für optimale Passgenauigkeit der Einzelteile. Das ist gleichsam hörbar, wenn sich Türen, Verschlüsse und Ausziehtische fast geräuschlos bewegen lassen. Behälter und Servierwagen gleiten auf Laufschienen aus Plastik. Ein besonders stabiler Rahmen und Fronttüren, die ebenfalls aus Aluminium sind, sorgen für lange Nutzungsdauer bei hoher Bedienungsfreundlichkeit. Die gesamte Küche muss, internationalen Sicherheitsbestimmungen entsprechend, einer Belastung von 12 g, das heißt dem Zwölffachen der Erdanziehung, standhalten.
Lediglich eine einzige, gut erreichbare Lichtquelle versorgt alle Lichtaustrittsstellen.
Funktionalität im Detail sorgt für einen angenehmen Arbeitsplatz der Flugbegleiter.
Faseroptik bringt mehr Flexibilität

Bucher Leichtbau ist es gelungen, Funktionalität und Ästhetik der Flugzeugküchen weiter zu verbessern. Zur Beleuchtung werden seit kurzem faseroptische Lichtleiter von SCHOTT eingesetzt. Die Systeme stammen von SCHOTT Fibre Optics in Doncaster (Großbritannien). Betreut wird Bucher Leichtbau vom Sales Office SCHOTT Schweiz AG in Feldbach bei Zürich.

Die Vorteile gegenüber herkömmlichen Leuchtstoffröhren hat zuerst die Schweizer Küchenbauer und dann auch viele Airlines überzeugt. Lediglich ein Glasfaserkabel und am Ende eine Vorsatzoptik ermöglichen eine geringe Einbautiefe. Das extrem biegsame Glasfaserkabel transportiert Licht auch an Stellen, die bisher nicht beleuchtet werden konnten. Alle Lichtaustrittsstellen werden nur von einer Quelle aus versorgt. Diese Lampe ist beim Austausch gut zu erreichen. Schließlich ist die Leitung von Licht statt Strom unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit besonders in der Luftfahrt ein schlagkräftiges Argument für diese Technik. Für Glas spricht außerdem, dass es nicht entflammbar ist. Darüber hinaus bringt die Anpassung der Glasfaserbeleuchtung bei Umbau oder eine Erweiterung der Küchenzeile keine Probleme mit sich.

Bordküchen und Servierwagen für die zivile Luftfahrt sind die Hauptumsatzträger bei Bucher. Zum Angebot für diese Kundengruppe gehören auch Halterungen für in den Sitz integrierte Videoanlagen und Spezialliegen für den Krankentransport. Einen guten Namen hat sich das Unternehmen auch bei der Ausstattung von Rettungshubschraubern oder von Kleinflugzeugen mit Halterungen, Ablagen, Liegen, Führungsschienen usw. aus Aluminium gemacht. Der berühmte „Australian Royal Flying Doctor Service“ setzt im harten Einsatz auf Bucher. Besonders stolz ist man auf einen der jüngsten Geschäftskontakte. DaimlerChrysler beauftragte Bucher für den neuen „Maybach“, die Luxuslimousine des deutsch-amerikanischen Automobilherstellers, die Klapptische im Fonds einschließlich des komplizierten Scharniersystems zu entwickeln und mit Ausnahme der Holz- und Leder-Teile zu fertigen. „Hinter allen unseren Produkten stehen Professionalität, Innovation, handwerkliches Können und Schweizer Liebe zum Detail“, bilanziert Daniel Mettler. Werte, die das Leben zu Lande und in der Luft angenehmer und sicher machen.