Unterhaltungselektronik – das aktuelle Interview

Flacher und größer ist der Trend bei Fernsehgläsern.
„CRT bleibt auf Sendung“

Dr. Udo Ungeheuer, im Vorstand von SCHOTT GLAS verantwortlich für die Strategische Geschäftseinheit Display Solutions, über Perspektiven des Fernsehglases und über den Weg von SCHOTT zum „Display-Vollsortimenter“.

Fernsehen auf der technologischen Basis der Kathodenstrahlröhre (CRT) wird immer wieder totgesagt. Wie nahe ist das Ende?

Dr. Ungeheuer: Totgesagte leben ja bekanntlich länger. Die Kathodenstrahlröhre ist dafür ein gutes Beispiel. SCHOTT ist sich mit seinen Partnern im Markt einig, dass diese ausgereifte Technologie zumindest für die laufende Dekade im wahrsten Sinne des Wortes auf Sendung bleibt. Für 2002 zeigt die Fernsehröhre weltweit eine außergewöhnlich gute Marktentwicklung mit voraussichtlich fast 160 Millionen produzierten Einheiten. Wir gehen davon aus, dass die Fernsehröhre langfristig ihre Marktposition aufgrund ihres guten Preis-Leistungs-Verhältnisses weiter ausbaut, obwohl eine ganze Reihe neuer Display-Technologien in das Fernsehsegment einzudringen versucht.

Gilt das auch für PC-Monitore?

Dr. Ungeheuer: Hier sieht die Situation ein bisschen anders aus. Im Zuge der weltweiten IT/Telekommunikationskrise musste das Segment einen Rückgang von 30 % hinnehmen. Innovative LCD-Displays waren gleichermaßen betroffen, konnten jedoch aus dem Einbruch gestärkt hervorgehen, haben also ihren Marktanteil vergrößert.

Wird noch Entwicklungsarbeit bei Kathodenstrahlröhren betrieben?

Dr. Ungeheuer: Mehr denn je – in den letzten zehn Jahren beobachten wir eine hohe Innovationsfrequenz bei Kathodenstrahlröhren. Mit intensiver Entwicklungsarbeit hält CRT die neuen Display-Technologien auf Distanz und bietet Kunden einen Mehrnutzen. Die hohe Innovationsfrequenz kann allerdings nur im Verbund starker Partner aufrechterhalten werden. Zu unseren Produktinnovationen gehören zum Beispiel vollständig flache Bildschirme und gewichtsreduzierte Trichter mit geringerer Einbautiefe. Aber auch bei der Prozessoptimierung haben wir uns als zuverlässiger Partner erwiesen.

Stichwort Prozessoptimierung – gibt es Verbesserungspotenzial bei dem reifen CRT-Fertigungsprozess?

Dr. Ungeheuer: Selbstverständlich. Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Prozesse von der Schmelze bis hin zur Nachverarbeitung zu verbessern. Parallel dazu identifizierten wir im Rahmen des EFQM-Prozesses neue Potenziale, an deren Optimierung Projektgruppen bereits arbeiten. Beachtliche Möglichkeiten sehen wir aber auch bei der Logistik. Dort konnte SCHOTT mit klugen Konzepten auf sich aufmerksam machen. Die Einführung von KAN-BAN, also dem Warenhaus auf (Lkw-)Rädern, gehört ebenso dazu wie die Überführung unserer internen Logistik auf einen externen Dienstleister. Bei allen unseren Überlegungen steht der Kundennutzen im Vordergrund.

SCHOTT investiert aber auch in „LCD-Displays“. Schafft das nicht Konkurrenz innerhalb des Konzerns?

Dr. Ungeheuer: SCHOTT entwickelt sich zum „Display-Vollsortimenter“. Spezialglas für CRT-Bildröhren und Dünngläser für Displayanwendungen ergänzen sich in unserem Portfolio. Neben Investitionen im klassischen CRT-Bereich entwickelten wir neue Verfahren zur Herstellung von LCD- Dünngläsern. Anfang September konnten wir gemeinsam mit potenziellen Kunden und Partnern die „Grundsteinlegung“ für eine TFT-Schmelzwanne in Jena feiern. Da wir aber auch weiter auf CRT setzen, investierten wir in den letzten drei Jahren eine hohe zweistellige Millionen-Euro-Summe in unsere Produktionsstandorte für CRT-Glas in Deutschland und der Tschechischen Republik – vor allem in die Kapazitätserweiterung und die Effizienzsteigerung. Weitere Investitionen sind für die kommenden Jahre schon fest eingeplant.