Optik-Komponenten

Aus rund 250 optischen Gläsern und anderen optischen Materialien fertigt SCHOTT Guinchard individuelle Produkte oder bearbeitete Halbzeuge.
In nahezu allen geometrischen Formen.
Thilo Horvatitsch, Mainz

Kundennahe Kompetenz

Für SCHOTT Guinchard, Spezialist für präzise Optik-Komponenten in der Schweiz, heißt das Erfolgsgeheimnis: „Kundenbedürfnisse in Kundennutzen umwandeln“.

Wer Yverdon-les-Bains besucht, sollte seine Sinne öffnen. Die traditionsreiche Stadt in der französischen Schweiz ist bekannt für ihre Thermalbäder, deren heilsames Wasser schon die alten Römer und Helvetier genossen. Und die prominente Lage am Südufer des Sees von Neuchâtel in der so genannten Dreiseen-Region, unweit von Lausanne und Genf, bietet optische Reize erster Klasse so beispielsweise auch an der expo ‘02 auf der Arteplage in Yverdon.

Ein Urteil, das sich leicht übertragen ließe auf SCHOTT Guinchard. Das in Yverdon ansässige Unternehmen hat sich in über 30 Jahren einen international anerkannten Ruf als Spezialist für die „High End“-Produktion präziser Optik-Komponenten erworben. Aus rund 250 optischen Gläsern sowie anderen hochwertigen optischen Materialien, wie Quarz und Saphir, entstehen dort mit Hilfe anspruchsvoller technischer Herstellungsverfahren individuell maßgeschneiderte Produkte oder bearbeitete Halbzeuge für die Industrie, sei es für Prototypen, Pilot- oder Großserien.

Wichtige Anwendungen und Produkte sind unter anderem:
  • Asphärische und zylindrische Linsen sowie andere polierte Glassubstrate zum Einsatz beispielsweise in Telekommunikation und Beleuchtung
  • Optische Komponenten aus speziell konditioniertem Saphir
  • Beschichtung von Substratoberflächen, zum Beispiel gegen das Beschlagen von Gläsern für Instrumente in Avionik, Zahn- medizin und Autoindustrie oder für Kameralinsen
  • (Un)beschichtete Prismen und Elemente zur Lichtführung für Optik und Optoelek- tronik
  • Hochleistungsfähige Laser-Schutzfenster
  • Maschinelle Bearbeitung keramischer Komponenten in nahezu allen geometrischen Formen.
Genutzt werden dabei führende und zum Teil weiterentwickelte Technologien wie CNC-Bearbeitung, hochpräzise Flachpolierverfahren sowie Beschichtung im Vakuum (Ion Assisted Deposition), aber auch manuelle Feinwerktechniken wie etwa Fräsen, Bohren und Sägen. Der umfangreiche Maschinenpark enthält auch Eigenentwicklungen. Reinigungseinrichtungen und ISO-zertifizierte Qualitätssicherung (certification pour l’industrie avionic Qualifaz) vervollständigen die ausgeklügelte Produktionsprozesskette.

SCHOTT und Guinchard:
Ideale Kombination

Zur Kompetenz von SCHOTT Guinchard zählen auch hochpräzise automatisierte Schleif- und Flachpolier- verfahren.
Iso-zertifizierte Qualitätssicherung ist ein wichtiges Glied in der ausgeklügelten Produktionsprozesskette.
Diese Leistungspalette trug maßgeblich dazu bei, dass das Unternehmen Guinchard Ende 2000 eine 80-prozentige SCHOTT Tochter wurde und als SCHOTTs „High-End-Kompetenzcenter“ in Europa fungiert. „Unser Know-how in der Kaltverarbeitung von optischen Materialien ergänzt hervorragend die Forschungs- und Schmelzkompetenzen von SCHOTT und eröffnet somit große Marktvorteile, vor allem auch durch die Einbindung im internationalen Vertrieb von „Advanced Optics“ von SCHOTT. Wichtiger noch ist aber unser langjähriges Kunden- und Applikationsverständnis sowie die entsprechende Qualifikation unserer 125 Mitarbeiter“, erläutert Jacques Guinchard, Geschäftsführer, Teilhaber und Sohn des Firmengründers Eric Guinchard.

Dieser Kunden- und Integrationsnutzen bestimmt auch die Mission, die das Unternehmen für seine Aktivitäten als Leitlinie formulierte und der es sich stellt. Keine leeren Worte, wie ein Praxisbeispiel zeigt: Als ein skandinavischer Kunde einen Produzenten für Hochpräzisionsfilter zum Einsatz in Digitalkameras suchte, überzeugte die SCHOTT Guinchard-Lösung nicht nur mit der weit höchsten Ausbeute im Wettbewerb. „Wir ermöglichten auch den eng gesteckten Liefertermin unseres Kunden von dessen Auftraggeber, indem wir vor Ort übers Wochenende nötige Montagearbeiten selbst vornahmen“, beschreibt Jean-Luc Wulliamoz, Director Sales and Marketing. Auch für einen internen Auftrag der SCHOTT Forschung gelang eine sehr gute Lösung – trotz hoher Anforderungen: Aus Glasplatten waren Stangen für Anwendungen zur Digitalprojektion zu fertigen, der Glasmantel sorgfältig zu polieren, so dass das Glas nicht springt. Es wurde eine Ausbeute von 99 Prozent erreicht.

Kundenbedürfnisse in Kundennutzen umwandeln

Asphärische Linsen von SCHOTT Guinchard werden in der Telekommunikat- ions- und Beleuchtungs- technologie sowie in abbildenden Optiken eingesetzt.
Das Geheimnis solch maßgeschneiderter Entwicklungsleistungen und hoher Ausbeuten liege im detaillierten Erkennen der Kundenanforderungen und der Kundenwünsche sowie im gewachsenen Wissen um die jeweils beste Kombination von Maschinen, Bearbeitungstechnologien und Materialeinsatz, so Jacques Guinchard. Hinzu kämen hohe Mitarbeiterkompetenzen auch für handwerkliche Prozesse, die in der „High End“-Produktion von großer Bedeutung blieben. Am wichtigsten aber sei die über Jahrzehnte gepflegte Kundenbeziehung: „Dadurch haben wir entscheidende Fachkenntnisse zur anwendungs- und normengerechten Auslegung und Umsetzung der Kundenwünsche gewonnen.“

Das resultierende Know-how ermöglichte 2002 zum Beispiel einen Durchbruch bei der Bearbeitung asphärischer Linsen. Die Entwicklung eines neuen Verfahrens, genannt „Magneto Rheological Finishing“ (MRF), beseitigt eine klassische Fehlerquelle hochpräziser Optikbearbeitung: den Werkzeugverschleiß bei lokaler Politur. Dies beschleunigt unterm Strich die Linsen-Bearbeitung und verbessert die Produktqualität, was dem Kunden – etwa durch Optimierung in Geometrie, Gewicht und Qualität – Zusatznutzen bringt.

Luxus-Uhren und beschichtete Cockpit-Armaturen

Mit seinen Leistungen bedient SCHOTT Guinchard Kunden vor allem in Europa sowie in Absprache mit der Mainzer Zentrale auch in den USA und in Asien. Dazu gehören zum Beispiel die Saphir-Bearbeitung für eine bekannte Marke Schweizer Luxus Uhren, beschichtete Substrate für Cockpit-Armaturen im Auftrag von einem grossen Avionik Unternehmen in Frankreich, sowie Komponenten aus "Zerodur" Glaskeramik zum Einsatz in der Lithographie.

Insgesamt setzt SCHOTT Guinchard derzeit rund 24 Millionen Schweizer Franken im Jahr um. Etwa die Hälfte davon fällt auf die Geschäfte mit zum Teil auch beschichteten Substraten. Dieses Geschäftsfeld hat laut Jacques Guinchard an Bedeutung zugenommen: „Über ein Drittel unserer Produktauslieferungen sind inzwischen beschichtet und viele davon im Reinraum verpackt.“

Seit Firmengründung 1968 hat das Unternehmen mit rund zehn Umsatzprozenten pro Jahr einen bedeutenden Anteil der Erlöse in neue Technologien und Maschinen gesteckt. „Wir müssen technologisch wettbewerbsfähig bleiben, um unsere Ziele zu verwirklichen und zu wachsen. Das gilt gestern, heute und morgen“, erläutert Jacques Guinchard. Wiederum keine leeren Worte: Nach dem Start auf dem neuen Firmengelände 1998 erfolgte im Jahr 2000 eine Erweiterung der Betriebsfläche um 30 Prozent auf 5.430 Quadratmeter. Ausgebaut wurde 2002 auch die Produktionskapazität zum Polieren flacher Substrate. Nun lassen sich Bauteile von bis zu 470 Millimeter Durchmesser bearbeiten. Eine nächste Ausbauetappe ist für 2004 geplant.