China

Qin Wang, General Manager SCHOTT Home Tech (Suzhou), Dr. Karl-Heinz Sossenheimer, Leiter Technologie Flachglasaktivitäten, Wieze Yang, Bürgermeister der Stadt Suzhou, SCHOTT-Vorstand Dr. Udo Ungeheuer und der deutsche Generalkonsul von Shanghai, Kurt Leonberger (von links), bei der feierlichen Eröffnung der neuen Produktionsstätte.
Ingolf Zera, Köln

Wo sich Leben um den Kochtopf dreht

SCHOTT eröffnete in Suzhou seine erste Fabrikationsstätte in China. In das rund 80 Kilometer von Shanghai entfernte Werk, in dem „Ceran“ Glaskeramik Kochflächen und Flachglas entstehen, investierte das Unternehmen rund 11 Millionen Euro.

Wer einen Chinesen mit „Guten Tag“ oder „Wie geht es dir?“ begrüßen würde, erntete vermutlich nur verständnislose Blicke. Nein, Chinesen machen schon beim Grüßen klar, was im Leben wichtig ist und was nicht: „Hast du schon gegessen?“ ist die übliche Grußformel unter Bekannten. Und wer das verneinen muss, dem geht’s wirklich schlecht. Da braucht man gar nicht weiter zu fragen.

Ganz klar: Das Essen hat in China einen völlig anderen Stellenwert als in Europa. Drei Mal täglich wird hier warm gegessen. Und das natürlich auch schon morgens: zum Beispiel Reissuppe mit salzigem Gemüse oder auch scharfe Nudelsuppe – zu Hause oder an einem der zahllosen Frühstücksstände. Wie aufgereiht stehen die am Straßenrand, glühende Holzkohle hüllt manche von ihnen in einen dichten Rauchschleier.

11 Millionen Euro investiert

So essen die Chinesen am liebsten: im Kreise der ganzen Familie oder vieler Freunde.
Die neue Produktionsstätte von SCHOTT China: SCHOTT Home Tech Co. Ltd. in Suzhou
Seit Jahrhunderten kochen die Chinesen über offenem Feuer. Und ebenso lange nutzen sie dazu den Wok. Doch die Zeiten ändern sich. Und in China derzeit noch etwas schneller als in anderen Regionen der Welt. Auch beim Essen. Bei der Zubereitung machen sich die Chinesen zunehmend moderne Technik zunutze. Zum Beispiel Glaskeramik Kochflächen der Marke „Ceran”. Was vor einem Jahrzehnt beinahe noch unvorstellbar gewesen wäre – nur die wenigsten Haushalte hätten über genügend Strom zum Betrieb eines entsprechenden Herdes verfügt –, ist heute greifbares Zeichen des Fortschritts. Eine Entwicklung, der auch die Industrie Rechnung trägt: 11,1 Millionen Euro flossen in eine moderne Produktionsstätte für „Ceran“ Glaskeramik Kochflächen und Flachglas. In nur neun Monaten entstand hier eine hochmoderne Produktionsstätte auf einem 13.000 Quadratmeter großen Gelände. Schon die Nachbarschaft macht deutlich, was in China heutzutage gefragt ist: Hier haben sich unter anderem Siemens, Motorola und Sony angesiedelt. 80 Kilometer westlich von Shanghai liegt das neue SCHOTT-Werk – in Suzhou, einer Stadt, die sogar einmal die Hauptstadt des Königreiches Wu war. Mehr als 2.500 Jahre ist das her, heute wird die Stadt aus anderen Gründen von zahllosen Chinesen besucht: Suzhou gilt als das Venedig des Ostens. Unzählige geschwungene Steinbrücken führen über die vielen Kanäle, kleine weiß gekalkte Häuser lassen die Erinnerung an das alte China wieder aufleben, ebenso wie die sorgfältig gepflegten Gärten, in denen seltsam geformte Steine von künstlichen kleinen Landschaften umgeben sind. Tagsüber ist die Stadt – auch wegen der vielen Besucher – voller Trubel.

Tradition spiegelt sich überall wieder

Veredeltes „SCHOTT” Fachglas für Gaskochmulden mit aufge-druckten Pandabären ist ganz nach dem Geschmack der chinesischen Kunden.
Doch mit dem Abend senkt sich Ruhe über die historische Stadt. Das ist auch die Zeit, die die Chinesen zu einem ausgiebigen Mahl nutzen. Da trifft sich meist die ganze Familie, und wer es sich erlauben kann, lädt Freunde in ein Restaurant ein. Anders als in Europa gibt dabei nicht jeder Gast eine individuelle Bestellung ab. Der Gastgeber ordert vielmehr stets mindestens ein Gericht mehr als Personen am Tisch sitzen. Ein scharfes, ein mildes, ein süßes, ein kräftiges, für jeden Geschmack etwas.

Derlei Traditionen spiegeln sich in allen Bereichen des täglichen Lebens wieder. Natürlich auch im Geschäftsleben. Kaum vorstellbar, dass sich bei einer Fabrik-Eröffnung in den USA oder Europa zwei Menschen ein grellbuntes Tierkostüm überstreifen und einen schlafenden Löwen spielen, der von einem Vorstandsmitglied durch Berühren der Augen zum Leben erweckt wird. In China gehört es dazu wie die Unterschrift unter einen Vertrag. Bei der Eröffnung des Werkes in Suzhou war es SCHOTT-Vorstandsmitglied Dr. Udo Ungeheuer, der mutig dem lila Löwen gegenübertreten musste. Und tatsächlich, kaum hat der Gast aus dem fernen Deutschland die Glasaugen des Tieres berührt, fängt es auch schon an, munter durch das Festzelt zu springen. Ein klarer Fall für alle Gäste: Das bringt Glück.

Glück ist allerdings nur ein Teil dessen, was SCHOTT in China braucht. Andere Erfolgsfaktoren sind sicherlich auch hohe Qualität und eine genaue Kenntnis der Märkte. Schließlich unterscheiden sich die Bedürfnisse der Asiaten von denen in westlichen Länden gravierend. Und auch bei SCHOTT weiß man, dass es nicht ausreicht, „Ceran“ Kochflächen mit netten Panda- oder Reiskorn-Motiven zu dekorieren, um genügend große Mengen absetzen zu können. Chinesen kochen am liebsten mit Gas – kein Wunder, dass deshalb die „Ceran” Kombination mit zwei elektrisch beheizten Kochzonen und zwei Gasflammen auf großes Interesse stößt. Ebenfalls im Angebot: Flachglas für Mikrowellenherde, Abdeckungen für Gefriertruhen sowie Glasplatten für Gasherde.

Im Durchschnitt geben die Chinesen rund 60 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Zum Vergleich: In Deutschland sind es gerade mal 30 Prozent. Und zubereitet wird in China alles, was sich irgendwie verarbeiten lässt. Da darf es einen nicht wundern, wenn man in einer Suppe zahlreiche Hühnerfüße findet, oder wenn dem Yamswurzelbrei Taubenfleisch mit Huaqi-Ginseng folgt. Gerade das letzte Gericht ist derzeit ausgesprochen beliebt, denn es gehört zur so genannten Heilküche, bei der klassische Gerichte mit Heilkräutern angereichert werden. Schmeckt gut und tut gut, sagen die Chinesen.

Die hohe Kunst des richtigen Essens

Ganz in der Nähe von Suzhou liegt Zhouzhang, wo das Leben an das alte China erinnert. Foto unten: Blick auf die moderne Skyline von Shanghai.
Erfolg ver- sprechendes Ritual: Der „schlaf- ende Löwe“, der erweckt wurde und mit seinem Tanz die Gäste erfreute.
Aber in China zählt nicht nur, was verspeist wird, sondern wie man isst. So wird als Höchstmaß der Peinlichkeit empfunden, wenn sich jemand sein Bierglas selbst auffüllt. Das darf man ohnehin nur ganz austrinken, wenn man dazu aufgefordert wurde. „Ganbei“ ruft dann der Gastgeber in die Runde, und das bedeutet, dass alle Anwesenden auf einen Schlag ihre Gläser leeren und vor sich auf den Tisch stellen müssen.

Auch die Essensschalen, die stets aus Porzellan sein sollten, werden nicht einfach leer gegessen. Denn das, da sind sich die Chinesen einig, wäre ja eine Beleidigung des Gastgebers. Schließlich hieße es, dass nicht genügend Essen vorhanden war. Getrunken wird in erster Linie Tee. Den gibt es in den Restaurants stets gratis, verkürzt er doch die Wartezeit auf das Menü. An zweiter Stelle der Beliebtheitsskala rangiert jedoch Bier, das auch heute noch meistens von Deutschen gebraut wird, die nach China ausgewandert sind. Natürlich gibt es auch chinesische Brauereien, aber wie das so ist: Deren Produkte werden einfach nicht so sehr geschätzt wie die der internationalen Konkurrenz. An dritter Stelle rangiert Wein, aber dessen Beliebtheit ist auch leicht zu erklären: Denn alles, was Alkohol enthält und kein Bier ist, wird in China kurzerhand Wein genannt.

Bei den Jugendlichen ist inzwischen ohnehin ein ganz anderes Getränk dabei, seinen Siegeszug fortzusetzen, den es in westlichen Ländern schon vor Jahrzehnten angetreten hat: Coca-Cola. Natürlich ist es derzeit noch relativ teuer, aber gerade in den Stadtgebieten von Shanghai, Beijing und in der Küstenregion von Guangzhou leben inzwischen genügend wohlhabende Chinesen, die sich derlei Genüsse durchaus erlauben können.

So ist es denn auch kein Zufall, dass auch SCHOTT gerade hier seine zukünftigen Absatzmärkte ausgemacht hat. Und erschlossen werden sollen sie mit Hilfe der einheimischen Hausgeräte-Industrie. So betonte denn auch Vorstandsmitglied Ungeheuer bei der Einweihungszeremonie in Suzhou: „Beim Geschäft geht es um mehr als um die Produktion hochwertiger Erzeugnisse; es geht um Vertrauen und das Gewinnen neuer Partner.“

Ein Grundsatz, der in China besonders auch beim Essen gilt. Denn die Wertschätzung seines Tischnachbarn macht man hier am besten durch eine ganz einfache Geste deutlich: Man legt ihm den besten Bissen direkt in seine Schale.