SCHOTT GLASMuseum

Moderne Präsentationstechniken im historischen Ambiente der SCHOTT Villa.
Thomas Gottschau, Journalist, Lebach

Stein gewordene Geschichte

In Jena wurde die Villa des Firmengründers Otto SCHOTT als Teil des SCHOTT GLASMuseums der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Pünktlich zum 150sten Geburtstag seines Gründers Otto SCHOTT (1851–1935) am 17. Dezember 2001 eröffnete der Technologiekonzern feierlich die ehemalige Familienvilla als zweiten Teil des SCHOTT GLASMuseums. "Die SCHOTT Villa ist Stein gewordene Geschichte. Sie berichtet von unserer Unternehmenskultur, die Otto SCHOTT begründet hat. Sie lässt uns noch heute seinen Geist spüren", beschreibt Dr. Udo Ungeheuer, Mitglied des SCHOTT-Vorstands und Aufsichtsratsvorsitzender der SCHOTT Jenaer Glas GmbH, die Bedeutung des Gebäudes.

Entsprechend behutsam ging man bei der Sanierung vor: Die Grundrisse der Räume wurden nur wenig verändert und ebenso wie Farbgebung und Ausstattung weitgehend auf historischen Stand gebracht. Die Brücke zur Moderne hat der verantwortliche Architekt, Thorsten Czech, mit einem gläserner Außenaufzug geschlagen. Das Konzept des Museums entspricht dem Selbstverständnis von SCHOTT: „Wir haben ein zeitgemäßes Museum mit modernster Medientechnik geschaffen. Der Besucher findet hier Originalexponate wie Arbeitsutensilien, Dokumente oder Skulpturen. Bild- und Texttafeln sowie multimediale Videoclips liefern Informationen in Deutsch und Englisch“, erläutert Dr. Jürgen Steiner, als Leiter Corporate Culture verantwortlich für das Ausstellungskonzept. Der Gründerzeitbau ist aber nicht nur Museum: „Wie zu Otto SCHOTTs Zeiten wird die Villa ein Ort der Gastlichkeit sein – wir werden hier auch Tagungen und Konferenzen veranstalten“, so Wolfgang Meyer, Geschäftsführer der SCHOTT Jenaer Glas GmbH und als Erster Vorsitzender des Trägervereins Hausherr der Villa.

Wissenschaftler, Unternehmer und Privatmann

„Zeitkapseln“ symbolisieren wichtige Ereignisse der Nachkriegsjahre.
Ausstellungsdesigner Frank Joerges hat das Lebenswerk von Otto SCHOTT mit all seinen Facetten anschaulich in Szene gesetzt. „Während der erste Teil des SCHOTT GLASMuseums die Meilensteine der Produkt- und Technologiegeschichte darstellt, stehen in der Villa Lebenswerk und Persönlichkeit von Otto SCHOTT sowie Themen der SCHOTT-Geschichte im Vordergrund“, macht Museumsleiterin Dr. Tilde Bayer deutlich.

Die Zeitreise beginnt im Erdgeschoss: Im Empfangsbereich wird der Besucher mit der Frage konfrontiert: Wer war Otto SCHOTT? Video-Animationen machen neugierig, geben aber noch keine Antworten. Die findet der Museumsgast im Ausstellungsbereich. Dort erfährt er Wissenswertes über SCHOTTs Zeit in Witten, wo er zwischen 1879 und 1882 die Grundlagen für die moderne Glaswissenschaft legte. An der Schwelle zum nächsten Raum schreibt eine Projektion den Auszug aus einem Brief von Ernst Abbe an Otto SCHOTT auf den Boden „...hierher nach Jena ziehen...“ Damit begann 1882 die Jenaer Epoche des Firmengründers. Hier gründete er 1884 mit Abbe, Carl und Roderich Zeiss das „Glastechnische Laboratorium SCHOTT & Genossen“ – die Keimzelle des heutigen SCHOTT Konzerns.

Neben dem Unternehmer SCHOTT bringt die Villa dem Besucher auch den Privatmann näher: Im ehemaligen Wohnzimmer erwartet den Gast eine Stimmungsszene vom 80. Geburtstag des Firmengründers: Ein überdimensionales Gruppenfoto mit lebensgroßen Gesichtern der Familienmitglieder. Im Arbeitszimmer werden persönliche Arbeitsutensilien präsentiert: Telefon, Briefwaage und Aktentasche. Und im Obergeschoss die große Leidenschaft von Otto SCHOTT: Teile seiner Antikensammlung aus griechischer und römischer Zeit.

Unternehmensgeschichte im Spiegel deutscher Geschichte

Terrakottakopf „Medusa“, aus der Antikensammlung von Otto SCHOTT. Leihgabe der Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim.
Eine weitere Ausstellung ist Erich SCHOTT gewidmet, dem Sohn von Otto SCHOTT. Er leitete als dessen Nachfolger den Neuaufbau in Mainz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Zeit der Trennung und Wiedervereinigung kann der Besucher detailliert nachvollziehen: Demontage, Enteignung, Umwandlung in einen Volkseigenen Betrieb; parallel dazu der Aufbau des neuen Hauptwerks in Mainz bis zur Wiedervereinigung – die Stationen der Unternehmensgeschichte sind mit Bildern, Utensilien und einer vierteiligen Videosequenz dargestellt.

Neben den Dauerausstellungen verfügt die Villa auch über einen Raum für Wechselausstellungen. „Damit bieten wir Glaskünstlern oder talentierten jungen Künstlern anderer Sparten ein interessantes Präsentationsforum“, erläutert Geschäftsführer Wolfgang Meyer.

IneinemOberlichtsaal im Zentrum des Obergeschosses kann der Besucher das Gesehene und Gehörte nachwirken lassen – ummalt von dezenter Klaviermusik, die einst Otto SCHOTTs Frau Käthe häufig gespielt hat.