50-jähriges Jubiläum

Klaus Jopp, Wissenschaftsjournalist, Hamburg

Die richtige Wahl

Am 10. Mai 1952 wurde in Mainz ein neues Hauptwerk von SCHOTT mit einem Hafenguss für optisches Glas eröffnet. Zum 50-jährigen Jubiläum wurde dieses Ereignis wiederholt.

Vor fünf Jahrzehnten begann ein neuer Abschnitt in der langen Geschichte des SCHOTT Konzerns: Mainz wurde zur zweiten Heimat. In nur elfmonatiger Bauzeit entstand hier das neue Werk, das 1952 mit einem Hafenguss für optisches Glas feierlich eingeweiht wurde. Die Nachstellung dieses Prozesses Ende Januar war der Auftakt zu zahlreichen Jubiläumsveranstaltungen, die 2002 noch folgen werden. Hafen ist in diesem Zusammenhang die fachmännische Bezeichnung für den Behälter aus Ton, in dem die Glasmasse erschmolzen wird.

Know-how begründet Spitzenstellung

Inzwischen basiert der Erfolg des Unternehmens auf einer breiten Werkstoffpalette. Dennoch hat optisches Glas für die Historie des Konzerns weiterhin große Bedeutung: „SCHOTTs internationale Spitzenstellung bei der Glasproduktion seit dem vorletzten Jahrhundert beruhte insbesondere auf seiner Fähigkeit, optisches Glas besser herstellen zu können als jeder andere“, erklärt Dr. Leopold von Heimendahl, Sprecher des heutigen Vorstands SCHOTT GLAS. So hatte der Chemiker Otto SCHOTT das Unternehmen 1884 in Jena insbesondere mit dem Ziel gegründet, wissenschaftliche Grundlagen für die bis dahin eher empirische Glastechnik zu schaffen.

Als die Amerikaner nach Ende des 2. Weltkrieges Thüringen im Tausch gegen West-Berlin räumten, ordneten sie im Juni 1945 den „Zug der 41 Glasmacher“ an, um das bedeutende Know-how ihrem Einfluss zu sichern. „Wir hatten 24 Stunden Zeit, das Nötigste zu packen und unsere Familien auf den Abtransport vorzubereiten“, erinnert sich der heute 90-jährige Hans Kirchner, einer der letzten Überlebenden der 41 Experten. Am Ende der Odyssee stand der Neuaufbau in Mainz, denn Hoffnungen auf eine Rückkehr nach Jena machte die Politik zunichte. 1948 wurde das Stammhaus enteignet und in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt, ein Jahr später durch die Gründung der beiden deutschen Staaten die Teilung Deutschlands zementiert.

Wandel zu Technologiekonzern

„Wir suchten eine zentral und verkehrsgünstig gelegene Stadt mittlerer Größe wie Jena, mit einer Universität“, begründete später Geschäftsleiter und Gründersohn Erich SCHOTT die Wahl des neuen Standortes. Für die Domstadt sicher ein Gewinn, denn heute ist SCHOTT mit 4.600 Mitarbeitern, darunter 200 Auszubildende, ihr größter industrieller Arbeitgeber.

Im Jubiläumsjahr herrscht wieder Aufbruchsstimmung – SCHOTT beschleunigt seinen Wandel zu einem internationalen Technologiekonzern. Lithographie, Telekommunikation und Photovoltaik sind nur einige der neuen Geschäftsgebiete. Aber auch das optische Glas, das heute in mehr als 110 Arten hergestellt wird, trägt noch immer 20 % zum Umsatz von insgesamt 2 Milliarden Euro bei.