Energie für gutes Klima

Energie für gutes Klima

Prof. Dr. Paul Crutzen über das Ozonloch, neue Projekte und die Zukunft der Energieversorgung.

Er wies auf die klimatischen Folgen eines Atomkrieges (Dunkelheit, Kälte, Ernteausfälle) hin. Seine Arbeiten trugen dazu bei, ein globales Verbot der FCKW-Produktion als Hauptursache für den Ozonabbau zu erreichen. Prof. Paul Crutzen hat in den vergangenen Jahrzehnten viel zum Verständnis der komplexen Prozesse in der Atmosphäre beigetragen und mit leidenschaftlicher Zähigkeit die durch den Menschen verursachten Gefahren aufgezeigt. SCHOTT begreift derartige Grundlagenforschung als Chance, aber auch als Verpflichtung für eine umweltverträgliche Gestaltung der Zukunft. So hat die Luftreinhaltung durch Reduzierung der bei der Glasherstellung entstehenden Emissionen höchste Priorität im Unternehmen. Es war daher auch naheliegend, die Forschungsarbeit Crutzens finanziell zu unterstützen. (Venezuela Projekt).

Prof. Crutzen, Ihre Erkenntnisse über die Ursachen und Auswirkungen des Ozonabbaus haben dazu geführt, daß auf politischer Ebene gerade noch rechtzeitig Maßnahmen dagegen ergriffen wurden. Ist die Gefahr jetzt gebannt?

Prof. Crutzen: Wir haben international vieles erreicht, beispielsweise den Ausstieg von 150 Industriestaaten aus der FCKW-Gas-Produktion oder den Stopp des Stratosphären-Flugprojektes in den USA. Heute redet man zwar wieder über neue Flugzeugtypen, aber das Problem ist ja jetzt bekannt. Mit Sicherheit wird man keine Dummheiten machen. Allerdings ist das Ozonloch immer noch da und es wird schätzungsweise noch 50 Jahre bestehen, da die Lebensdauer der ozonschädigenden Gase mit 50 bis 100 Jahren außergewöhnlich lang ist. Von einer Entwarnung kann also noch längst nicht die Rede sein.

Wie sind Sie eigentlich zur Atmosphärenforschung gekommen?

Prof. Crutzen: Eigentlich bin ich Meteorologe, doch bereits während meiner Studienzeit habe ich mich für die chemische Atmosphärenforschung interessiert. Früher hat man angenommen, die Ozonkonzentrationen in der Stratosphäre können durch den Menschen nicht beeinflußt werden. Das habe ich nicht geglaubt. Ich habe Anfang der siebziger Jahre die Hypothese aufgestellt und später auch bewiesen, daß Stickoxide das Ozon sozusagen in Schach halten. Stickoxide sind natürlich in der Atmosphäre vorhanden. Sie sind in der Lage, Ozon zu zerstören. Diese Form der natürlichen Ozonzerstörung steht aber im Gleichgewicht mit natürlichen Ozonproduktionsmechanismen, so daß sie für die Ozonschicht keine Gefahr darstellen. Problematisch sind dagegen die anthropogenen, also die durch Menschen erzeugten Stickstoffoxid- und besonders die Chlorverbindungen. Sie können das Gleichgewicht durch zu große einseitige Ozonverluste erheblich gefähren. Das Ozonloch ist eine durch menschliche Aktivität verursachte chemische Instabilität. Allein hätte das die Natur nicht hinbekommen.

An welchem Projekt arbeiten Sie im Moment?

Prof. Crutzen: Ganz aktuell ist derzeit das internationale Forschungsprojekt INDOEX, in dem über 150 Wissenschaftler aus den USA, Europa, Indien und den Malediven zusammenarbeiten. Vorläufige Ergebnisse einer sechswöchigen Meßkampagne Anfang des Jahres zeigen, daß Luftschadstoffe in dramatischer Weise in der Region des nörlichen indischen Ozeans zunehmen. Aus Asien und dem Indischen Subkontinent stammende Schadstoffe werden während des Winters durch den Nordost-Monsun auf den Indischen Ozean hinausgetragen. Das INDOEX-Projekt will nun klären, wie diese Schadstoffe durch die Atmosphäre transportiert werden und wie sie auf die Zusammensetzung der Atmosphäre, das Klima und die Sonnenstrahlung über dem Meer einwirken.

Die Luftverschmutzung ist ein Problem, das uns alle angeht. Was können Ihrer Meinung nach Industrie und Privatverbraucher tun?

Prof. Crutzen: Es gibt viele Möglichkeiten, beispielsweise im Verkehr. Ohne Zweifel verstärken die Auto-Abgase den Treibhauseffekt. Das Auto ganz abzuschaffen, ist natürlich unmöglich, es bringt ja auch gewisse Vorteile. Aber es wird meist uneffektiv eingesetzt. Die Industrie hat insbesondere in Deutschland schon viel für den Umweltschutz getan. Weitere Verbesserungen wären sicherlich bei der Wiederverwertung von Energie möglich. Da wird immer noch viel zu wenig gemacht. Ansätze gibt es auch bei der Abfallentsorgung. Müllhalden sind Produktionsstätten von Methan, das meiste entweicht derzeit in die Atmosphäre. Die Stadt Mainz hat hier eine wichtige Vorreiterrolle übernommen: Das Methan wird aufgefangen und verbrannt und kommt somit nicht in die Atmosphäre. Sicherlich löst keine dieser Einzelmaßnahmen das Problem, aber die Summe macht schon erheblich viel aus.

"Allein hätte das die Natur nicht hinbekommen." Prof. Paul Crutzen (hier mit dem früheren SCHOTT- Forschungschef Prof. Dieter Krause, r.) warnt seit Jahrzehnten vor den durch den Menschen verursachten Gefahren für die Umwelt.
Was halten Sie von dem deutschen Vorhaben, die Atomkraftwerke abzuschalten?

Prof. Crutzen: Für die Zukunft der Menschheit hat nach meiner Meinung die derzeitige Atomtechnologie keine Chance. Was soll man mit den ganzen Abfällen machen, schon in den industrialisierten Ländern gibt es da Probleme. Man muß andere Wege finden. Zu allererst sollte man Einsparungen machen sowie bessere Technologien entwickeln und einsetzen.

Welche...?

Prof. Crutzen: Erdgas ist eine kurzfristige Lösung, denn auch das wird einmal ausgehen. Es gibt wahrscheinlich nur eine Alternative: Auf lange Sicht kann es nur die Sonnenenergie sein.

Ozon (gr. = riechend/"das Duftende"), ist ein natürlicher Spurenbestandteil der Luft und besteht aus drei Sauerstoffatomen. Ozon filtert die gefährlichen ultravioletten Strahlen des Sonnenlichts, die in geringen Mengen für das bestehende Leben auf der Erde notwendig, in großeren Mengen aber schädlich sind.
Zur Person

Sein Beitrag zur Erforschung des Ozonlochs über dem Atlantik brachte dem Atmosphärenforscher Paul Crutzen 1995 den Nobelpreis für Chemie. Der Meteorologe und Chemiker wurde 1933 in Amsterdam geboren. Nach einem Bauingenieurstudium war er zunächst in der Brückenbauabteitung seiner Heimatstadt tätig. Ab 1958 studierte er in Stockholm Meteorologie. Seine wissenschaftliche Reputation auf dem Gebiet atmosphärischer Forschungen führte Crutzen von 1974 bis 1980 zu leitenden Positionen in Einrichtungen der Vereinigten Staaten und schließlich zur Berufung an das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie, das international zu den renommiertesten Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Luftchemie zählt. Paul Crutzen ist außerdem Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften, der Königlich Schwedischen Akademie der Ingenieurwissenschaften und der Academia Europea.
Das SCHOTT-Förderprojekt in Venezuela

Der Mix aus organischen Stoffen und von Menschen erzeugten Stickoxiden kann zu hohen Ozonwerten führen. Ziel des Venezuela-Projekts ist es, diesen Grenzbereich durch die Messung der Emissionen aus hochproduktiven Savannengräser besser kennenzulernen, zu erfahren, was emittieren die Pflanzen überhaupt und wieviel. Die Forschungsarbeiten werden von der 31 jährigen Venezolanerin Betina Kleiss im Rahmen ihrer Doktorarbeit am Max-Planck-lnstitut für Chemie in Mainz durchgeführt. Das von SCHOTT mit 100.000 Mark geförderte Projekt soll zu ersten wissenschaftlichen Erkenntnissen über den direkten Einfluß dieser Emissionen auf die photochemische Ozonbildung in Venezuela und indirekt auch in anderen Teilen der Welt führen. Die erste Expedition zur Meßstation auf dem Berg Calabozo, etwa vier Autostunden von Caracas entfernt, startet voraussichtlich im Herbst 1999. Insgesamt sind zwei Meßkampagnen pro Jahr vorgesehen.
News, Messen & Events
06.
September
Messe CIOE 深圳, Shenzhen, China, 06.09 - 09.09.2017
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