SCHOTT liefert „Zerodur“ Spiegelträger für
Indiens größtes Astronomie-Teleskop
Mainz (Deutschland), den 7. April 2009 – Die aufstrebende
Nation Indien errichtet am Fuße des Himalaya-Gebirges,
nordöstlich von Neu-Delhi, Asiens größtes abbildendes
Teleskop. 2012 soll es einsatzbereit sein und den Blick ins
Universum über der nördlichen Hemisphäre richten. Mit
einem 3,7 Meter großen Spiegel aus der Glaskeramik
„Zerodur“ von SCHOTT zählt das von der belgischen
Firma AMOS entwickelte Teleskop zu den Top 30 der Welt.
ARIES, ein autonomes Forschungsinstitut des
Ministeriums für Wissenschaft und Technologie der
indischen Regierung, koordiniert das internationale
Projekt.
In Nainital zwischen den Berghängen des Himalaya-Gebirges
spiegelt sich der außerordentlich klare Himmel in einem
tropfenförmigen See. „Nain“, das Auge der göttlichen Sati, sei
hier zu Boden gefallen, berichtet die Hindu-Mythologie. Doch
weniger Mythologisches, sondern vielmehr das Geschehen
außerhalb unserer Welt liegt im Fokus des hiesigen Aryabhatta
Research Institute of Observational Sciences (ARIES).
„Wir planen im nahegelegenen Devasthal Indiens größtes
optisches Astronomie-Teleskop zu errichten“, sagt Professor
Ram Sagar, Direktor von ARIES. „2012 soll es in Betrieb gehen
und ist für die spektroskopische Erforschung der Milchstraße
optimiert. Durch Beobachtung des Farbspektrums von
Lichtquellen kann man chemisch-physikalische Prozesse sowie
die innere Struktur oder die Temperatur der Himmelskörper
bestimmen“, erklärt Prof. Sagar.
Auge aus Glaskeramik
Das Teleskop wird mit einem 3,7 Meter großen Spiegel aus
„Zerodur“ von SCHOTT ausgestattet. „Zerodur“ ist eine
Glaskeramik, die sich insbesondere durch einen Ausdehnungskoeffizienten auszeichnet, der bei nahezu Null
liegt. So wird verhindert, dass es aufgrund von
Temperaturschwankungen zu Ungenauigkeiten bei der
Vermessung des Himmels kommt. Zudem verfügt das Material
über eine extrem hohe Homogenität, chemische Beständigkeit
und eine sehr gute Langzeitstabilität der mechanischen
Eigenschaften. Weltweit findet sich daher in den meisten
Großteleskopen „Zerodur“ von SCHOTT als
Spiegelträgermaterial.
„Die hohe Qualität des Spiegelmaterials ist von entscheidender
Bedeutung für ein Teleskop dieser Größenordnung“, erklärt
Frédéric Rausin, Project Manager bei AMOS S.A. Advanced
Mechanical and Optical Systems in Liège (Belgien). „Zudem
war die langjährige Erfahrung des SCHOTT-Teams mit großen
Astronomie-Projekten äußerst hilfreich. So gelang in sehr
kurzer Zeit auch die anspruchsvolle Bearbeitung des
Spiegelträgers für die aktive Optik des Spiegels, mit der die
Bildschärfe des Teleskops deutlich verbessert werden kann.“
Verzerrungsfreier Blick in die Sterne
„Um die 69 Aktuatoren – Maschinen ähnlich eines
„mechanischen“ Muskels – der aktiven Optik aufzunehmen,
wurden auf der Rückseite des Spiegelträgers Taschen mit
äußerst geringen Toleranzen eingearbeitet“, erklärt Dr.
Thorsten Döhring, Experte für Astronomieprojekte bei SCHOTT
Advanced Optics in Mainz (Deutschland). „An diesen Punkten
kann der Spiegel nun im Nanometer-Bereich justiert werden.
Damit lassen sich die Schwerkraftverbiegungen des Spiegels
beim Nachführen des Teleskopes kompensieren.“
SCHOTT erhielt von Generalunternehmer AMOS den Auftrag
für die Bereitstellung und Bearbeitung des „Zerodur“-Rohlings
im September 2008. Bereits wenige Monate später, im März
2009, wurde der Glaskeramik-Monolith per Schwertransport
zum Polierer geliefert. Nach Fertigstellung wird das
Himmelsauge dann nach Liège (Belgien) verschifft, wo der
Spezialist für optomechanische Systeme AMOS das Teleskop
vollständig aufbaut und ausgiebigen Tests unterzieht. Sobald diese abgeschlossen sind, wird die Gesamtanlage – 13 Meter
hoch und rund 120 Tonnen schwer – in Module á 15 Tonnen
zerlegt. Per Sondertransport treten sie die lange Reise in den
Himalaya an, um ab 2012 Sati‘s Blick in den Himmel zu folgen.
SCHOTT ist ein internationaler Technologiekonzern, der seine
Kernaufgabe in der nachhaltigen Verbesserung der Lebens- und
Arbeitsbedingungen der Menschen sieht. Dafür werden seit 125
Jahren Spezialwerkstoffe, Komponenten und Systeme entwickelt.
Unsere Hauptmärkte sind die Branchen Hausgeräteindustrie,
Pharmazie, Solarenergie, Elektronik, Optik und Automotive. Der
SCHOTT Konzern ist mit Produktions- und Vertriebsstätten in allen
wichtigen Märkten kundennah vertreten. Rund 17.300 Mitarbeiter
erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2007/2008 einen Weltumsatz von
rund 2,2 Milliarden Euro. Die technologische und wirtschaftliche
Kompetenz des Unternehmens ist verbunden mit der
gesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung. Die SCHOTT AG
ist ein Unternehmen der Carl-Zeiss-Stiftung.
AMOS is specialized in design and manufacturing of high accuracy
optical and mechanical systems. For the space industry, AMOS is
producing equipment to test satellites and payloads on ground as well
as mirrors and mounts to fly on board spacecraft. AMOS is also
delivering tailor-made equipment to professional astronomy from focal
plane instruments to complete large size telescopes.
Further information: www.amos.be
Zeichenzahl: 3930 (inkl. Leerzeichen)
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