Ballonfahrt des Sonnenteleskops mit
leichtgewichtigem „Zerodur“-Spiegel gestartet
Esrange Space Center nahe Kiruna (Schweden) / Mainz
(Deutschland), 10. Juni 2009 — “Sunrise” startete am
Montag seine rund fünftägige Reise über den arktischen
Polarkreis. Das Sonnenteleskop ist mit einem 1,1 m
Spiegelsubstrat aus der Nullausdehnungs-Glaskeramik
„Zerodur“ von SCHOTT ausgestattet. Eine
Leichtgewichtsbearbeitung ermöglichte die
Gewichtsreduktion des Spiegelträgers um rund 85 Prozent.
Die Sonne scheint am nördlichen Polarkreis im Sommer rund
um die Uhr. Für die Astronomiemission „Sunrise“ des Max-
Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) bieten sich
damit ideale Bedingungen. Getragen von einem
heliumgefüllten Spezialballon der NASA, hat ihre mobile
Forschungseinrichtung die Sonne fest im Visier. Polarwinde
treiben dieses Solarobservatorium für rund fünf Tage in rund 37
km Höhe durch die Stratosphäre über den Nordatlantik und
Grönland bis nach Kanada.
„Die Mission ist nicht nur wegen des Ballons etwas
Besonderes“, erklärt Projektleiter Dr. Peter Barthol vom Max-
Planck-Institut für Sonnensystemforschung. „Sunrise wird die
Oberfläche der Sonne mit einer Genauigkeit betrachten, die
weder ein bodengebundenes Teleskop noch eine Raumsonde
bisher erreicht hat. So wird es möglich sein, Strukturen von
etwa 35 Kilometern Größe sichtbar zu machen.“ Die
Wissenschaftler erhoffen sich, so besonders die feinen
Strukturen des Sonnen-Magnetfeldes untersuchen zu können.
„Zerodur“ mit Leichtgewichtsstruktur
Das Herzstück von „Sunrise“ ist das Teleskop, welches das
Sonnenlicht einfängt und an die wissenschaftlichen
Instrumente an Bord weiterleitet. Es wiegt trotz seiner Länge
von vier Metern nur 350 Kilogramm. Möglich wurde dies durch eine leichte Konstruktion aus Kohlefaserstreben. Auch der
Hauptspiegel des Teleskops ist trotz 1,1 Meter im Durchmesser
ein echtes Leichtgewicht.
Gerade einmal 45 Kilogramm wiegt der Hauptspiegel, der aus
der Nullausdehnungs-Glaskeramik „Zerodur“ von SCHOTT
gefertigt wurde. Das Geheimnis ist hierbei die filigrane
Leichtgewichtsstruktur der Spiegel-Rückseite: Obwohl einzelne
Trennwände der dreieckigen Wabenstruktur zum Teil nur vier
Millimeter dünn sind, bleibt der Spiegel extrem präzise und
stabil. Nach Endbearbeitung und Politur durch die französische
Firma Sagem ergab sich eine Gewichtsreduktion um rund 85
Prozent.
Präzision seit mehr als 40 Jahren
“Zerodur besitzt nicht nur die einzigartige Eigenschaft der
Nullausdehnung. Die Glaskeramik ist äußerst temperaturstabil
und mit einer spezifischen Dichte von 2.53 g/cm3 sogar leichter
als Aluminium“, erklärt Dr. Thorsten Döhring,
Applikationsmanager Astro/Space bei SCHOTT. Mit
geeignetem Design und angepassten Bearbeitungsprozessen
könnte SCHOTT selbst sogar eine Gewichtserleichterung von
über 90% erzielen.“
Seit 1968 liefert SCHOTT großformatige Spiegelträger aus
“Zerodur“ für astronomische Observatorien auf der ganzen
Welt. Die Zuverlässigkeit des Materials für hochpräzise
Anwendungen ist seit Jahrzehnten dokumentiert. Bei
Großteleskopen und in der Luft- und Raumfahrt spielt
Gewichtsreduzierung eine herausragende Rolle. Die
einzigartige Erfahrung von SCHOTT beim Schmelzen und
Tempern des Materials, bei der CNC-
Leichtgewichtsbearbeitung sowie in der Messtechnik
ermöglichen hohe Projektsicherheit und kurze Lieferzeiten.
SCHOTT ist ein internationaler Technologiekonzern, der seine
Kernaufgabe in der nachhaltigen Verbesserung der Lebens- und
Arbeitsbedingungen der Menschen sieht. Dafür werden seit 125
Jahren Spezialwerkstoffe, Komponenten und Systeme entwickelt.
Unsere Hauptmärkte sind die Branchen Hausgeräteindustrie,
Pharmazie, Solarenergie, Elektronik, Optik und Automotive. Der SCHOTT Konzern ist mit Produktions- und Vertriebsstätten in allen
wichtigen Märkten kundennah vertreten. Rund 17.300 Mitarbeiter
erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2007/2008 einen Weltumsatz von
rund 2,2 Milliarden Euro. Die technologische und wirtschaftliche
Kompetenz des Unternehmens ist verbunden mit der
gesellschaftlichen und ökologischen Verantwortung. Die SCHOTT AG
ist ein Unternehmen der Carl-Zeiss-Stiftung.
Zeichenzahl: 3367 (inkl. Leerzeichen)
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